Geläuterte Staatsverweigerin

26.02.2018 • 21:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Angeklagte kämpfte bei der Verhandlung mit den Tränen. EC
Die Angeklagte kämpfte bei der Verhandlung mit den Tränen. EC

Erpressungsversuche und Drohbriefe: Ein Jahr bedingte Haft für 46-jährige Tirolerin.

Christiane Eckert

Feldkirch Die Anhänger von „One People’s Public Trust“, in Deutschland als Gruppierung der „Reichsbürger“ bekannt, fordern von Exekutive und Justiz meist eine Extraportion Geduld und Nervenstärke. Bereits bei Prozessbeginn starten üblicherweise Diskussionen um „Staatsgewalt“ und „Obrigkeit“.

Einsichtig, geständig, reuig

Anhand einer Verschwörungstheorie stellen sie die Legitimation von Staaten infrage, widersetzen sich Führerscheinkontrollen, Zahlungsbefehlen und sonstigen Aufforderungen. Die am Landesgericht Feldkirch angeklagte Tirolerin, die knappe zwei Jahre mit der Bewegung sympathisierte, bildet eine Ausnahme. Sie zeigt sich einsichtig, geständig und reuig. „Sie müssen denken, die hat einen Sprung in der Schüssel. Und ich kann Ihnen das nicht verdenken“, wendet sich die Beschuldigte anfangs an den Schöffensenat.

Die 46-Jährige steht heute fest im Leben. Sie hat ein anspruchsvolles Studium abgeschlossen, arbeitet im Sozialbereich, kann sich gut artikulieren und macht einen offenen, intelligenten Eindruck. Diese „Offenheit für alles“ wurde ihr laut eigener Aussage zum Verhängnis. Sie steckte in einer Krise – privat und beruflich. Ihre Mutter war todkrank, familiäre Probleme, Arbeitslosigkeit, dazu die Bekanntschaft mit den falschen Leuten. Sie begann sich für die Bewegung zu interessieren und fand offenbar Halt.

Da begann es mit den kuriosen Schreiben an hohe Beamte, sogar Innenminister Sobotka bekam plötzlich höchst seltsame Post. „Ich wundere mich ja selbst, warum ich so etwas getan habe“, sagt sie heute.

Keinerlei Erklärung

Immer wieder setzt die Frau an, von ihrer strafrechtlich relevanten Vergangenheit zu erzählen. Es macht ihr sichtlich Mühe, sie kämpft mit den Tränen. „Natürlich gab es zu dem Ganzen auch kritische Stimmen, aber die drangen bei mir damals nicht durch. Ich kam aus meiner Schockstarre nicht heraus“, schildert sie. Die Frau zauberte finanzielle Fantasieforderungen in der Höhe von sechs Millionen Euro aus dem Ärmel und konfrontierte diverse Amtsinhaber damit. Sollte dieses Geld nicht bezahlt werden, würden die Betreffenden in einem internationalen Schuldenregister vermerkt und über Malta schlussendlich Exekution betrieben werden, machte die Schreiberin den Adressaten Angst.

Völlig unglaubwürdig

Die Verteidigung betont, dass wohl niemand, nicht einmal die Angeklagte selbst, die Geschichte geglaubt habe: „Die Adressaten waren allesamt rechtskundige Personen wie beispielsweise Richter“, so der Anwalt der Tirolerin. Als „untauglicher Versuch“ werden die Bemühungen der 46-Jährigen allerdings nicht gewertet. Einem Richter unterstellte die Frau zudem Vergewaltigung. Für die lange Liste der verwirklichten Delikte wird sie zu zwölf Monaten bedingter Haft sowie 6480 Euro unbedingter Geldstrafe verurteilt. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig.