Auch Wohnungsnot füllt Notschlafstelle

27.02.2018 • 18:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
An bitterkalten Wintertagen wie diesen drückt die Wohnungsnot besonders heftig aufs Gemüt. Da ist jede Hilfe willkommen.caritas
An bitterkalten Wintertagen wie diesen drückt die Wohnungsnot besonders heftig aufs Gemüt. Da ist jede Hilfe willkommen.caritas

Caritas spricht von Trend zu hoher Auslastung während des ganzen Jahres.

Feldkirch Es sind nicht nur die eisigen Temperaturen, denen der verstärkte Andrang in die Notschlafstelle der Caritas in Feldkirch geschuldet ist. Die soziale Kälte sorgt bei Wohnungslosen ebenfalls für wenig Herzerwärmendes. „Die Kälte verschärft zwar die Situation der Betroffenen zusätzlich, die Betten in der Notschlafstelle sind aber das ganze Jahr hindurch stark nachgefragt“, räumt Stellenleiter Christian Beiser ein. Das belegt auch die Statistik für 2017, als im Haus am Feldkircher Jahnplatz 2209 Übernachtungen gezählt wurden. Insgesamt 215 Frauen und Männer fanden dort vorübergehend, zumindest aber für 28 Tage, eine Unterkunft. Der Trend zur hohen Auslastung setzt sich laut Beiser fort.

Das Ende sozialer Beziehungen

28 Tage: eine kurze Zeit für jemanden, dessen Zuhause sonst die Straße ist. Trotzdem wird vonseiten der Caritas in dieser Zeit alles unternommen, um längerfristige Lösungen für die Klienten zu finden. „Wohnungslosigkeit bedeutet meist, dass viele Probleme zusammentreffen. Die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist ohne eigene Wohnung nicht vorstellbar. Keine Wohnung mehr zu haben, bedeutet fast immer auch das Ende sozialer Beziehungen und einen Bruch in der Entwicklung der persönlichen Identität“, weiß Christian Beiser. Dem wird gezielt und möglichst rasch entgegengewirkt. Psychosoziale Betreuung, Beratung sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche sollen helfen, die Lebenssituation zu stabilisieren.

Job, aber keine Wohnung

Doch die Suche nach leistbarem Wohnraum gestaltet sich schwierig. „In zehn Prozent der Fälle schaffen wir es, innerhalb dieser 28 Tage eine angemessene Unterkunft zu finden“, erzählt Beiser. Allerdings spitzt sich die Situation am Wohnungsmarkt immer mehr zu. Die Lösung aus Sicht der Caritas sei es deshalb nicht, zusätzliche Betten in Notschlafstellen zu schaffen, sondern Maßnahmen zu setzen, die auch Menschen mit geringem Einkommen ein menschenwürdiges Wohnen ermöglichen. „Wir haben auch Gäste in der Notschlafstelle, die untertags arbeiten gehen, die zwar ihre Wohnung, nicht aber ihren Job verloren haben“, nennt Christian Beiser ein Beispiel für die prekäre Lage vieler.

Die Ursachen für eine Wohnungslosigkeit sind so individuell wie die Menschen, die sie trifft. Trennung vom Partner, Schwierigkeiten im Elternhaus, Suchtprobleme, Wegweisungen, Mietrückstände oder psychische Probleme erschweren die Lebensbewältigung. Bürger aus EU-Mitgliedsländern, die auf der Suche nach Arbeit oder neuen Perspektiven ins Land kommen, zählen ebenfalls zu den Gästen in der Caritas-Notschlafstelle, die über zehn Betten verfügt. VN-MM