In der Elite der Ölproduzenten

Vorarlberg / 15.03.2018 • 20:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Für einen Liter Walnussöl kommen rund vier Kilo Walnüsse in die Schneckenpresse.
Für einen Liter Walnussöl kommen rund vier Kilo Walnüsse in die Schneckenpresse.

Der Ölmühle Sailer in Lochau wurde auf der Messe Wieselburg die Krone aufgesetzt.

Lochau In bestimmten Monarchien ist es der Titel des höchsten weltlichen Herrschers. Der Kaiser nimmt aber auch bei den Speiseölproduzenten eine außerordentliche Stellung ein. Bei der sechsten Auflage der „Öl-Kaiser“-Prämierung im Vorfeld der „Ab Hof“-Messe in Wieselburg standen 280 Produkte in den Kategorien Sonnenblumenöl, Rapsöl, Leinöl, Sonstige Öle, Kürbiskernöl und Spezialöl auf dem Prüfstand. Die Proben aus sechs Bundesländern und Slowenien wurden anonym und mindestens zweimal unabhängig voneinander verkostet.

In diesem Jahr konnte erstmals auch ein Öl aus Vorarlberg einen Kategoriensieg für sich entscheiden: Das Bio-Walnussöl der Ölmühle Sailer wurde bei den Spezialölen mit der höchsten Auszeichnung, dem „Öl-Kaiser“, gekrönt. Außerdem gab es eine Goldmedaille für das Bio-Sonnenblumenöl made in Lochau. „Der Öl-Kaiser war ein ganz besonderes Erlebnis. Wir waren sehr überrascht und freuen uns ganz verrückt“, strahlt Barbara Sailer.

Hobby als Beruf

Angefangen hat alles im Jahr 2010 mit Leinöl. „Es war ein Hobby von mir. Ich habe einmal in der Woche Öl gemacht“, erzählt die Ölmühlen-Chefin. Das sprach sich herum, die Bestellungen wurden immer mehr und das Sortiment um Sonnenblumenöl erweitert. „2013 sind wir dann in die Alberlochstraße gezogen. Ich habe meinen Beruf als Kinderbetreuerin aufgegeben und das Geschäft großgezogen.“

Mittlerweile presst der Familienbetrieb 19 verschiedene Ölsorten in Rohstoffqualität, von Aprikosenkernöl über Hanf- und Nachtkerzenöl bis hin zu Sesamöl. Hinzu kommen saisonale Öle mit Bärlauch, Kräutern oder Lochauer Chilis. „Durch die Wasserkühlung hat es in der Presse nie mehr als 37 Grad, die Rohstoffe werden vorher auch nicht geröstet. Dadurch bleiben alle Inhaltsstoffe, wie Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe, erhalten“, erläutert Ramona Sailer.

Die Samen, Nüsse und Kerne sind fast alle bio und kommen so weit als möglich aus der Region. Selbst das angebotene Olivenöl, das nicht selbst produziert wird, hat einen Vorarlberg-Bezug. „Eine Hörbranzerin ist mit einem Sizilianer verheiratet, eine Lustenauerin mit einem Griechen und ein Vorarlberger hat in Kalabrien einen Olivenhain“, erzählt Christian Sailer.

Alles verwertet

Wichtig ist den Sailers auch, dass alles verwertet wird. So werden die Presslinge entweder zu glutenfreiem Mehl verarbeitet oder von Landwirten abgeholt und an das Vieh verfüttert.

Und Öl ist nicht gleich Öl. Das fängt bei der Menge an und hört bei der Herstellung auf. Während beispielsweise für einen Liter Walnussöl rund vier Kilogramm Walnüsse benötigt werden, sind es bei den Traubenkernen oder beim Schwarzkümmel rund 13 Kilogramm. Außerdem ist das Kürbiskern- oder Walnussöl manchmal schwierig herzustellen. „Wenn es kälter ist, braucht man eine ganz andere Einstellung“, ergänzt Barbara Sailer. VN-ger

„Dadurch bleiben alle Inhaltsstoffe, wie Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe, erhalten.“

Barbara und Christian Sailer schmeißen mit Tochter Ramona (r.) und der fleißigen Edeltraud (l.) den Laden. VN/Paulitsch
Barbara und Christian Sailer schmeißen mit Tochter Ramona (r.) und der fleißigen Edeltraud (l.) den Laden. VN/Paulitsch