Echte Wintersport-Freundschaft

Vorarlberg / 16.03.2018 • 18:43 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Skilehrer Harry Fitz (.) mit seinem Schüler Hans Philippi. Der Deutsche kommt jedes Jahr ins Montafon zum Skifahren.
Skilehrer Harry Fitz (.) mit seinem Schüler Hans Philippi. Der Deutsche kommt jedes Jahr ins Montafon zum Skifahren.

Seit 40 Jahren in der Spur: Skilehrer Harald Fitz und sein Skigast Hans Philippi.

Gaschurn Der Unternehmer aus dem Saarland war Ende 30, als er beschloss, im Montafon das Skifahren zu erlernen. Zusammen mit einem Freund engagierte Hans Philippi in Gaschurn einen Privatskilehrer. „Wir wussten, dass wir nichts konnten und schon etwas älter waren.“ Dem heute 79-Jährigen war klar, dass ihn auf der Piste ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang erwartete. Den zwei blutigen Anfängern wurde der junge Skilehrer Harald Fitz zugeteilt.

„Mich hat man immer für die schwierigen Fälle engagiert. Denn mein Chef wusste, dass ich viel Geduld habe und gut mit Menschen umgehen kann“, erläutert der heute 61-jährige Montafoner, warum er die beiden Deutschen als Skischüler bekam. Der erste Eindruck, den Philippi von seinem Skilehrer hatte: „Er war sehr schüchtern und hat nicht viel geredet.“

Beste Voraussetzungen

Harald Fitz wiederum bemerkte, dass der Saarländer die Voraussetzungen mitbrachte, um ein guter Skifahrer zu werden. „Er hatte keine Angst und verfügte über eine gute Grundfitness.“ Die kam nicht von ungefähr, wie Hans Philippi sagt. „Als Lebensmittelgroßhändler war ich täglich 14 Stunden auf den Beinen.“ Nicht nur Philippi, auch Fitz lebte für seinen Beruf. Das bemerkten auch seine Skischüler. „Er war voller Elan und hat uns mit seiner Begeisterung angesteckt. Am liebsten hätte er uns schon um sechs Uhr zum Lift bestellt“, erinnert sich der Deutsche schmunzelnd.

Der junge Skilehrer wollte Ergebnisse sehen. „Harry nahm alles sehr ernst und verlangte von uns Pünktlichkeit und Disziplin. Deswegen nannten wir ihn ,Feldwebel‘. Er ließ nicht locker und hat uns gedrillt wie beim Militär“, zeigt der 79-Jährige auf, dass sein Skilehrer streng war. Philippi hatte oft keine Lust darauf, so nach Schule zu fahren, doch Fitz baute immer wieder Übungen ein. Obwohl dieser wesentlich jünger war, gelang es ihm, sich bei dem Unternehmer und dessen Freunden Autorität zu verschaffen.

„Wir waren es nicht gewohnt, uns unterzuordnen und Befehlen zu gehorchen. Aber Harry ließ nicht locker und setzte sich mit seinen Forderungen und seiner Ausstrahlung durch.“ Gerade weil Harald Fitz so auf Disziplin beharrte, machten seine Schüler gute und schnelle Fortschritte. „Das gibt es bei mir nicht, dass man während des Skiunterrichts einkehrt. Meine Gäste müssen bei jedem Wetter fahren“, hat der staatlich geprüfte Ski- und Bergführer seine Prinzipien.

Dennoch hielt der Gast aus Deutschland seinem Skilehrer die Treue. Denn bei allem kam der Spaß nie zu kurz. Außerdem entging es Hans Philippi nicht, dass hinter dem strengen Skilehrer ein einfühlsamer Mensch steckt. „Ich konnte Harry meine Probleme anvertrauen. Er ist mir immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden. In ihm habe ich quasi einen Naturpsychologen gefunden. Harry kann gut zuhören und Anteil nehmen.“

Montafon als zweite Heimat

Seit 40 Jahren kommt der Saarländer nun schon ins Montafon, um mit seinem Skilehrer dem Skisport zu frönen. In all den Jahren ließ der begeisterte Skifahrer keine Wintersaison aus. Das Montafon ist ihm zur zweiten Heimat geworden. Inzwischen kommt der Deutsche sogar im Sommer nach Gaschurn. „Harry ist auch Bergführer. Wir machen schöne Wandertouren miteinander.“ Hans Philippi klopft Harald Fitz freundschaftlich auf die Schulter. „Dir verdanke ich viel, mein Freund. Dein großes Verdienst ist, dass du mir nicht nur das Skifahren beigebracht, sondern auch die Liebe zu den Bergen vermittelt hast.“ Beschämt von so viel Lob entgegnet ihm dieser: „Hansl, du bist mir ein Vorbild. Du hast nach deinem Schlaganfall im Vorjahr nicht aufgegeben und fährst heute sogar wieder Ski. Alle Achtung!“