Straßenkehrer ist kein Erpresser

Vorarlberg / 16.03.2018 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Beschuldigte wies sämtliche Vorwürfe von sich. Eckert
Der Beschuldigte wies sämtliche Vorwürfe von sich. Eckert

Bettlerin konnte Gericht nicht überzeugen, dass Arbeiter sie mit Hundekot bewarf.

Feldkirch Er kehrt täglich die Straßen, befreit sie von Müll, Hundekot und sonstigem Unrat. Dass der Mann keine Freude damit hat, wenn Menschen Dreck und Unordnung hinterlassen, liegt in der Natur der Sache.

So gereichte ihm auch der Bettelplatz der 61-jährigen Rumänin in Bregenz nicht zur Freude. „Es ist nachvollziehbar, dass da nicht das beste Einvernehmen herrschte“, so Richterin Sonja Nachbaur beim Prozess am Landesgericht Feldkirch. Eines Tages kam es zur Anzeige. Die Rumänin behauptete, der Straßenkehrer habe ihr gedroht, sie zu verjagen, habe sie erpresst und immer wieder Geld von ihr gefordert. Sie habe ihm immer wieder einige ihrer Münzen abgegeben, um ihren Platz behalten zu können. Er habe sie immer wieder mit Hundekotsäckchen beworfen, ihr mit Benzin gefüllte PET-Flaschen hingestellt, gibt die Frau an.

Wenn sie sich eine Zigarette angezündet hätte, wäre sie in die Luft geflogen, fürchtete sie angeblich damals. „Stimmt alles nicht“, sagt der Straßenkehrer. Die Polizei kam ihrer Pflicht, auch solche Behauptungen zu überprüfen, nach und ermittelte verdeckt. In Zivil behielten sie den achtfach Vorbestraften bei seinen Kehrdiensten im Auge. Werfen mit Hundekot oder Kasse hinstellen konnte nicht beobachtet werden und auch für andere Formen der Erpressung gab es keine Anhaltspunkte. „Im Zweifel kann ich die entsprechenden Feststellungen nicht treffen“, entscheidet die Richterin für Freispruch. Die Rumänin spricht nur sehr schlecht deutsch und es ist offensichtlich, dass es ihr auch körperlich nicht gut geht. Sie sei fünf Mal operiert worden, schwer krank und schleppt sich mit einer Krücke dahin.

Ameisenspur gelegt

Die Zivilbeamten schilderten in ihrem Protokoll der geheimen Beobachtung, dass sie gesehen hätten, wie der Straßenkehrer mit Absicht in ein Ameisennest gehackt und dann mittels einer klebrigen Dose eine Spur zur Bettlerin gezogen habe.

Als Hintergrund vermuten die Beobachter, dass die Bettlerin so vertrieben werden sollte. Der Kehrer kontert: natürlich müsse er hin und wieder Müll und Nahrungsreste aus dem Gebüsch ziehen. Dass er dabei unwillkürlich Ameisen anlockte, sei keine Absicht. Was die Ameisenspur betrifft, konnte der Fall ebenfalls nicht restlos aufgeklärt werden. EC