Ein Weg, der kein Weg sein soll

Vorarlberg / 18.03.2018 • 17:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Durchgang verboten, aber als Trampelpfad erwünscht: Der Achtalweg von Kennelbach bis Doren gilt als Naturjuwel. VN/Steurer
Durchgang verboten, aber als Trampelpfad erwünscht: Der Achtalweg von Kennelbach bis Doren gilt als Naturjuwel. VN/Steurer

Der Achtalweg von Kennelbach nach Doren soll erhalten bleiben. Die Naturschutzanwältin ist skeptisch.

Kennelbach April 1980: Der Verkehr auf der Wälderbahnstrecke muss eingestellt werden, die Rotachbrücke wurde unterspült. Am 3. Juli rutscht bei Kilometer 7,45 der Hang, elf Tage später setzen sich 300 Meter weiter vorne rund 6000 Kubikmeter Hang in Bewegung. Zwar versucht man, das Achtal wieder freizuräumen, im August 1980 steht aber fest: Das wird nichts, die Wälderbahn zwischen Kennelbach und Egg muss eingestellt werden. Lange Zeit liegt die alte Trasse brach. Mittlerweile ist zwischen Egg und Doren ist ein befestigter Radweg entstanden. Auch der Achtalweg von Doren nach Kennelbach wird als Wanderweg vermehrt genutzt. Die Verantwortlichen aus dem Land würden dies gerne so belassen, was aber Haftungsfragen sowie Konflikte mit dem Naturschutz aufwirft, Anzeigen inklusive. Der Weg befindet sich in einem Natura-2000-Gebiet.

Ermittlungen eingestellt

Werner Auinger aus Bregenz hat eine Aufgabe gefunden. Der Pensionist kümmert sich seit vielen Jahren um den Weg zwischen Kennelbach und Doren. Er entfernt umgefallene Bäume, baut kleine Brücken, mäht den Rasen. 2016 gerät er damit erstmals in den Konflikt mit dem Gesetz, ohne Genehmigung darf er keine befestigten Wege bauen, schon gar nicht in einem Natura-2000-Gebiet. Kurz darauf macht er aber weiter. Auinger versteht die Aufregung nicht, er möchte nur helfen: „Viele gehen den Weg. Ich sorge dafür, dass er erhalten bleibt, wie es die Bürgermeister und das Land wünschen. Sonst würde er komplett zuwachsen.“

Am 23. August 2017 erstatten Naturschützer Anzeige wegen Amtsmissbrauchs gegen den Langener Bürgermeister Josef Kirchmann und Vorarlbergs Umweltlandesrat Johannes Rauch (Grüne). Auinger hat angegeben, in deren Auftrag tätig zu sein. Am 7. September stellt die Staatsanwaltschaft die Erhebungen aber wieder ein. Für ein Natura-2000-Gebiet gilt lediglich ein Verschlechterungsverbot. Der aktuelle Zustand darf erhalten bleiben. Aber ist das so einfach?

Haftungsfrage

Im Vorarlberg Atlas auf der offiziellen Webseite des Landes ist der Achtalweg von Kennelbach bis zur Rotach als Klettersteig und anschließend als Bergwanderweg ausgewiesen. Langens Bürgermeister Kirchmann betont: „Langen hat Interesse, dass der Weg so erhalten bleibt, wie er ist.“ Derzeit versuchen alle Beteiligten, eine Lösung zu finden. Einer der Involvierten ist Martin Bösch, als Regionsmanager für das Natura-2000-Gebiet Bregenzerachschlucht zuständig. Er erläutert: „Der Weg soll nicht ausgebaut werden, aber auch keine Tabuzone sein. Wir bieten zum Beispiel Biotopwanderungen an.“ Dies sei vom Land so gewünscht.´Also von Landesrat Rauch. Auch er sagt: „Wir möchten den Weg als Trampelpfad erhalten, mit Begehung auf eigene Gefahr.“ Dies ist der entscheidende Satz. Schildert nämlich das Land den Pfad als offiziellen Weg aus, stellt sich die Haftungsfrage. Sicherungsmaßnahmen wären also notwendig, was gegen das Verschlechterungsverbot spricht. Als besondere Gefahrenquelle gilt der Rotachtunnel; er ist einsturzgefährdet, Betreten verboten. Schon am Beginn des Weges weisen Schilder darauf hin. Rauch kündigt an, dass an diesem Tunnel Maßnahmen gesetzt werden sollen.

Naturschutzanwältin Katharina Lins verweist auf das Verschlechterungsverbot. „Bei Instandhaltungen bleibt bleibt es meistens nicht, da kommt oft mehr. Daher bin ich sehr skeptisch“, sagt sie, und fährt fort: „Es ist nicht gerade geschickt, wenn man den Weg auf der Landeswebseite ausweist, ihn aber eigentlich sperrt.“ Ein Klettersteig sei sowieso etwas anderes. Am ehrlichsten sei es, den Weg zuwachsen zu lassen. Martin Bösch hingegen betont: „Die, die den schönen Ort nutzen wollen, tun es sowieso. Schon jetzt haben manche ganze Unterstände gebaut. Das muss nicht sein. “ Am Ende wird es ein Kompromiss zwischen Naturschutz und Nutzungsinteressen werden.