Der Arzt aus der Hosentasche

22.03.2018 • 17:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
55 Franken kostet der Service, den Schweizer Hautärzte anbieten. VN/MIP
55 Franken kostet der Service, den Schweizer Hautärzte anbieten. VN/MIP

Schweizer Hautärzte sagen langen Wartezeiten mit Onlinedienst den Kampf an.

Bregenz Eine Frage an den Hautarzt ohne lange Wartezeit? Ja, das geht. Zumindest in der Schweiz. Onlinedoctor.ch nennt sich ein neuer Dienst eines St. Galler Start-ups, der Patienten und Ärzte digital verbindet. Einmal in die Hosentasche nach dem Handy greifen, ein Foto vom Ausschlag, dem verdächtigen Muttermal oder dem Ekzem schießen und spätestens nach 48 Stunden ist die Rückmeldung eines Arztes da. Klingt simpel, dahinter steckt aber einiges an Tüftelei.

Die Idee entstand vor eineinhalb Jahren bei einem Bier, wie Mitbegründer Tobias Wolf erzählt. Er ist Seminar- und Projektleiter am Institut für Klein- und Mittelunternehmen der Uni St. Gallen und hat sich dort auf die betriebswirtschaftliche Weiterbildung für niedergelassene Ärzte spezialisiert. Nach einem Kurs ging es bei einem Gespräch mit einem Hautarzt um volle Wartezimmer und unverschlüsselte Anfragen mit Fotos. „Wir skizzierten unsere Vision. Etwa ein halbes Jahr lang dauerte dann das Programmieren.“ Zeitintensiv seien vor allem das Übertragungsthema und der Datenschutz gewesen. „Die Sache muss natürlich niet- und nagelfest sein“, sagt Wolf. Gearbeitet werde daher mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung, so wie sie auch beim Onlinebanking verwendet wird. Für die Patienten gilt es bei der Anfrage drei Schritte zu absolvieren. Zuerst kann ein Hautarzt der Wahl ausgesucht werden. Danach müssen Fragen beantwortet und Fotos hochgeladen werden. Zu guter Letzt erhalten die Patienten die Empfehlung des Arztes – und die Rechnung. 55 Franken kostet der Dienst. „Deutlich weniger als ein Besuch in der Praxis“, wie Wolf betont. „So können die Gesundheitskosten gesenkt werden.“

Vorarlberger Ärzte sind skeptisch

Während es in der Schweiz die Sprechstunde am Computer schon länger gibt, sind in Österreich Fernbehandlungen nicht erlaubt. In Deutschland wird aktuell über eine Öffnung des Gesetzes diskutiert. In Vorarlberg wird der Schweizer Onlinedienst kritisch gesehen. „Es ist sehr zu hinterfragen, ob Bilder ausreichen, um eine fundierte Beurteilung abzugeben“, meint Manfred Hinteregger, Referent der Vorarlberger Dermatologen. Und jeder Arzt hafte für telemedizinische Behandlungen und jene in der Ordination in gleichem Maß. Einen Zeitvorteil würden Ärzte durch solche Anfragebeantwortungen wohl nicht erreichen. „Außerdem leisten Allgemeinmediziner als Gatekeeper für Dermatologen im Land hervorragende Arbeit in der Erstbeurteilung von Hautproblemen. Somit besteht für so ein Beratungsmodell in Vorarlberg keinen Bedarf“, fügt Hinteregger noch hinzu.

Hierzulande gibt es die Hotline 1450, bei der Patienten telefonisch eine Einschätzung zu ihren gesundheitlichen Beschwerden erhalten. Jedoch verweist diese zur genauen Abklärung immer noch ans Spital oder den passenden Arzt. Das Projekt in der Schweiz werde von der Ärztekammer beobachtet werden, um mögliche Schlüsse für das eigene Gesundheitssystem zu ziehen. Dennoch sei man davon überzeugt, dass Telemedizin die persönliche Betreuung nie ersetzen kann. Dies sehen übrigens auch die Hautärzte in der Schweiz so.

„Es ist sehr zu hinterfragen, ob Bilder ausreichen, um eine fundierte Beurteilung abzugeben.“