Wenn das Sandmännchen streikt

Vorarlberg / 26.03.2018 • 20:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schlaflabor-Leiter Thomas Jenny und Thomas Berktold testen ein Gerät, mit dem Atempausen verhindert werden.  Vn/Steurer
Schlaflabor-Leiter Thomas Jenny und Thomas Berktold testen ein Gerät, mit dem Atempausen verhindert werden.  Vn/Steurer

Was gegen Schlafprobleme getan werden kann.

Hohenems Durchschnittlich verschläft der Mensch ein Drittel seines Lebens. Frau und Herr Österreicher verbringen pro Nacht im Schnitt sieben bis acht Stunden im Land der Träume. Einer aktuellen Studie der MedUni Wien zufolge hat die Zahl der Schlafprobleme in den vergangenen zehn Jahren aber deutlich zugenommen. Demnach leidet jeder Zweite unter den Folgen eines nicht erholsamen Schlafes. Manche wälzen sich nachts ewig im Bett herum, weil das Sandmännchen streikt und sie nicht richtig einschlafen können. Andere wachen mitten in der Nacht plötzlich auf. Wieder andere leiden aber nicht nur an vorübergehenden Problemen wegen innerer Unruhe, sondern an schweren Schlafstörungen. Einer, der lange nur davon träumen konnte, ausgeschlafen zu sein, ist der Dornbirner Thomas Berktold. „Geschnarcht habe ich schon immer. Dann kam aber die Tagesmüdigkeit dazu“, erzählt der 62-Jährige. Warum dies so war, konnte er sich nicht erklären. Er musste sich alle vier Stunden hinlegen, erzählt er. Gefährlich wurde es hin und wieder beim Autofahren. Als seine Frau das Schnarchen schließlich nicht mehr ausgehalten hätte, ging er zum HNO-Arzt, danach landete er im Schlaflabor in Hohenems. Dort stellten die Ärzte fest, dass er nachts sehr viele Atempausen einlegte, weshalb kein Tiefschlaf möglich war.

Im Schlaflabor in Hohenems werden pro Jahr 600 Patienten behandelt, berichtet Leiter Thomas Jenny. Hauptsächlich würden die Patienten wegen Schnarchens, Atempausen und nächtlichen Zuckungen überwiesen. Im Schlaflabor werden die Betroffenen dann verkabelt. Während des Schlafs werden verschiedene Körperfunktionen gemessen. „Angezeigt werden auf dem Monitor unter anderem die Hirnströme, Brust- und Bauchbewegungen, Sauerstoffsättigung, der Herzrhythmus oder die Pulsfrequenz“, erklärt Fachärztin Tamara Hernler. So erfahren die Mediziner beispielsweise, ob es Atempausen gibt und es sich um eine sogenannte Schlafapnoe handelt. Bis zu fünf Atempausen pro Stunde sind normal, sind es mehr als 30, handelt es sich um eine schwere Störung, erklärt die Expertin weiter.

Fit und ausgeruht

Wenn die Ärzte eine Atemstörung feststellen, bekommt der Patient in einer zweiten Nacht ein Überdruckgerät mit Atemmaske. Ein solches Therapiegerät ist auch zu Thomas Berktolds ständigem nächtlichen Begleiter geworden. „Anfangs musste ich mich etwas daran gewöhnen, durch die Nase zu atmen, aber mir ist es nach der ersten Nacht schon deutlich besser gegangen“, erzählt der Dornbirner. Er fühlt sich seither wieder fit und ausgeruht. Während in Fällen wie bei Thomas Berktold nur ein Therapiegerät Abhilfe schaffen kann, hilft es anderen schon, Gewohnheiten umzustellen. Denn natürlich ist nicht jede schlechte Nacht gleich ein Indiz für ein pathologisches Problem. „In der westlichen Welt haben viele mit Schlafproblemen zu kämpfen. Wir leben in einer schnelllebigen, stressigen Zeit. Es ist wichtig, sich vor dem Zu-Bett-Gehen zu entspannen“, betonen Schlaflabor-Leiter Thomas Jenny und Fachärztin Tamara Hernler. Dabei könnten beispielsweise Entspannungsübungen oder eine Tasse Tee helfen. Außerdem sollte das Schlafzimmer lediglich zum Schlafen dienen. Und elektronische Geräte sollten vom Nachtkästchen verbannt werden, weil diese Blaulicht absondern. Auch fettes und üppiges Abendessen sollte vermieden werden, wenn das Sandmännchen gerne einmal streikt.

„Wir leben in einer stressigen Zeit. Es ist wichtig, sich vor dem Zu-Bett-Gehen zu entspannen.“

Für schwere Schlafstörungen gibt es verschiedene Therapiegeräte.

Für schwere Schlafstörungen gibt es verschiedene Therapiegeräte.