Ikea-Grundstückspreis erhitzt die Gemüter

Vorarlberg / 27.03.2018 • 18:19 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verkauf Grundstück mit EKZ-Widmung 1993 an KIKA412 Euro/m2
Verkauf Grundstück mit
EKZ-Widmung 1993 an KIKA

412 Euro/m2

Kritiker werfen der Gemeinde vor, schlecht verhandelt zu haben.

Lustenau Seit die VN in der Samstagsausgabe erstmals Details aus dem Ikea-Kaufvertrag öffentlich gemacht haben, erhitzt der darin vereinbarte Grundstückspreis die Gemüter. Während die 370 Euro pro Quadratmeter für die Bürgerinitiative „Lebenswertes Lustenau“ einen Diskontpreis darstellen, legen die Grünen mit einem Vergleich eines anderen Grundstückgeschäfts nach. Es liegt bereits 25 Jahre zurück, betrifft ebenfalls ein Möbelunternehmen mit vergleichbaren Rahmenbedingungen, wie Gemeindevertreter Daniel Zadra sagt. Im Vertrag von 1993, der der Redaktion vorliegt, hat Kika in Dornbirn ein Grundstück in der Größe von 15.880 Quadratmetern für damals 90 Millionen Schilling (6,54 Millionen Euro) erworben. Für den Boden unweit des Messeparks gab es wie heute bei Ikea in Lustenau eine EKZ-Widmung für 10.000 Quadratmeter. Dass Kika 42 Euro pro Quadratmeter mehr zahlte, als Ikea heute, verstärkt für Zadra den Verdacht, dass „hier ein schlechtes Geschäft für die Bevölkerung von Lustenau ausgehandelt wurde. Der grüne Gemeindevertreter verweist auf die allgemeine Entwicklung von Grundstückspreisen im Land sowie die Inflation in den letzten 25 Jahren. Werde das berücksichtigt, könne man den im Ikea-Vertrag vereinbarten Kaufpreis schon fast als versteckte Subvention bezeichnen.

Sachverständiger beigezogen

Bürgermeister Kurt Fischer indes beteuert, man habe es sich in den Verhandlungen mit Ikea nicht leicht gemacht. „Das betrifft auch die Preisfindung. Da haben wir uns mit einem gerichtlich vereidigten Sachverständigen abgesichert.“ Wenn jetzt mit anderen Projekten verglichen würde, sei das eben wie wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht. „Die größte Relevanz im Vertrag hat die Mitwirkungspflicht Ikeas an der Verkehrslösung. Das wird richtig aufwendig“, so Fischer im Gespräch mit den VN. Der Bürgermeister spricht von Kosten in Millionenhöhe, die auf das Möbelunternehmen zukommen würden. Zudem sei zu berücksichtigen, dass die Bodenverhältnisse schlecht und der Bebauungsplan herausfordernd seien. Für praktisch das gesamte Grundstück sei eine Tiefgaragenlösung vorgeschrieben, auch die architektonischen Anforderungen seien hoch, sagt Fischer. Den Quadratmeterpreis isoliert davon zu betrachten, wäre falsch.

Für Daniel Zadra hinkt der Vergleich dennoch nicht. Dass in Dornbirn vor einem Vierteljahrhundert bereits 412 Euro, unter Berücksichtigung der Inflation 630 Euro, bezahlt worden seien, zeige, dass damals die Verkehrsflut bereits im Betrag eingepreist war. Zudem sei das Grundstück mit Bauwerken belastet gewesen, was im Falle von Ikea in Lustenau nicht der Fall sei. Für ihn stellt das Verhandlungsergebnis in einem Vollkostenvergleich jedenfalls ein miserables Ergebnis dar.

Fiktiver Ertrag und Projektkosten

Experte Günter J. Welte, Gerichtssachverständiger für Immobilien aus Göfis, erklärt im VN-Gespräch die Komplexität entsprechender Wertermittlungen. Viele Faktoren, die es zu kennen gelte, würden einfließen. Eine besondere Relevanz habe die Ermittlung des Residuums, also des Werts der Ertragsmöglichkeiten abzüglich der Projektkosten. Ein entsprechendes Gutachten sei Voraussetzung im Verkaufsprozess. Ein solches, so Bürgermeister Fischer, existiere jedenfalls.

Verkaufsabsicht Grundstück mit EKZ-Widmung 2016 an IKEA370 Euro/m2
Verkaufsabsicht Grundstück mit
EKZ-Widmung 2016 an IKEA

370 Euro/m2