Müssen Rentner machtlos sein

Vorarlberg / 28.03.2018 • 20:16 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

2.761.648 Menschen im Ruhestand gibt es laut aktuellen Zahlen in Österreich. Abgesehen von einigen Luxuspensionisten müssen die meisten davon aber mit wenig Geld auskommen. Während Arbeiter und Angestellte derzeit eine durchschnittliche ASVG-Pension in Höhe von 1211 Euro monatlich erhalten, ist der sogenannte „Ruhegenuss“ bei Beamten trotz Harmonisierungsbestrebungen deutlich höher: Einige wenige Bundesbeamte (zwei) erhalten aktuell gar knapp 200.000 Euro Pension im Jahr. Immerhin 180 Ex-Beamte bekommen noch zwischen 100.000 und 119.000 Euro im Jahr.

In Vorarlberg lag der durchschnittliche Rentenbezug bei 1101 Euro (bei Frauen 844 und bei Männern 1511 Euro). Bei den letzten Tarifverhandlungen im Herbst des vergangenen Jahres wurde eine Steigerung von 2,2 Prozent bis brutto 3300 Euro und darüber von 1,6 Prozent vereinbart. Als Basis diente den Verhandlern die monatliche Teuerung zwischen August 2016 und Juli 2017. Da wird also bewusst nicht auf die offizielle Jahresinflation zurückgegriffen. Wie diese Annahmen die Kaufkraft der Pensionseinkommen vernichten, ist alljährlich ein ganz besonderes Drama für alle PVA-Versicherten. Der typische tägliche Einkauf (Mikrowarenkorb) kam im Jänner 2018 um 4,6 Prozent teurer als ein Jahr davor. Im Dezember lag der Preisauftrieb sogar noch bei 5,7 Prozent. Die Jahresverteuerung lag laut Statistik Austria bei 4,1 Prozent. Die Differenz von 1,9 bzw. 2,5 Prozentpunkten zur von den „Hellsehern“ vereinbarten Steigerung liegt um satte 186 bzw. 256 Prozent auf Kosten der Pensionisten daneben. Das ist keine Bezugserhöhung, sondern vielmehr und eindeutig ein Real-Bezugsverlust aller wehrlos von der Pensionsversicherung abhängigen Leistungsbezieher. Wie haben die jahrzehntelang Einzahlenden eine derart schwindelige Rechenmethode verdient? Da gilt der mahnende Finger aus Brüssel zu unserem Pensionssystem wohl eher auch den Rechenkünstlern.

Dabei wollen die Pensionsbezieher nicht am Produktivitätszuwachs nachfolgender Generationen verdienen, den es bei den aktiven Lohnerhöhungen zu berücksichtigen gilt. Sie haben aber ein besonderes Recht auf eine reale Teuerungsabgeltung. Dabei wäre eine Reform so einfach: Das Rentenbezugsniveau wird im Jahr des Renteneintritts festgeschrieben. Danach wird die Rente nur noch mit der tatsächlich festgestellten Inflationsrate steigen. Mit der Anpassung an das Preisniveau bliebe der Lebensstandard erhalten. Zusätzliche Steigerungen gäbe es nicht mehr.

Der Trick mit dem Blick der Verhandler in die magische Glaskugel bliebe erspart und gleichzeitig wäre damit auch eine faire Absicherung aller Rentengenerationen garantiert.

„Wie haben die jahrzehntelang Einzahlenden eine derart schwindelige Rechenmethode verdient?“

Fritz Amann

fritz.amann@vn.at

Fritz Amann ist Unternehmer und ehemaliger FPÖ-Politiker.