Champions League

Vorarlberg / 29.03.2018 • 18:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eine verlockende Kombination von der Dessertkarte: Die Schokoladenmousse mit Olivenöl.
Eine verlockende Kombination von der Dessertkarte: Die Schokoladenmousse mit Olivenöl.

Bregenz Die Medienpräsenz des neu eröffneten Pier69 in Bregenz half mir dieses Mal bei der Auswahl des Restaurants. Nicht so einfach war es, unserem Kolumnentitel treu und beim Essen, normalerweise Vor- und Hauptspeise, unter 30 Euro zu bleiben. Wer eine Hauptspeise in normaler Portionsgröße wählt, dem bleibt praktisch nur das Wiener vom Kalb mit Pommes und Preiselbeeren, wenn es vorher noch ein gemischter Salat oder eine Suppe sein soll. Denn Vorspeisen im klassischen Sinn kosten zwischen 13,80 und 19 Euro, Hauptgerichte liegen zwischen 26 und 45 Euro. Da ist das Casual-Fine-Dining-Menü in vier Gängen zu 66 Euro schon ein richtiges Schnäppchen. Was die Preise angeht, ist das Pier69 also eher in der Champions League als Bezirksliga. Die Speisekarte bietet aber ein nicht alltägliches Angebot an Gerichten, wie etwa eine hausgemachte Wurst vom Kitz und eine schöne Auswahl an Fischen.

An der Angel

Nach dem Gruß aus der Küche, bestehend aus einem Sack Brot, genialer Olivenbutter und Olivenöl, angelte sich meine Begleitung eine Bachforelle im Ganzen gebraten mit Parmesan-Risotto (29,50 Euro). Weil ich die Selleriesuppe mit Trüffel-Sabayon, Frischkäsenocke und Walnuss (5,80 Euro) probieren wollte, gab es für mich als Hauptgang das anfangs erwähnte Wiener vom Kalb mit Pommes und Preiselbeeren (19,90 Euro). Die Suppe war wirklich top – Sabayon und Nocke im Suppenteller schön präsentiert und dann von der Servicemitarbeiterin am Tisch mit der Selleriecreme untergossen. Die Forelle war zwar perfekt gebraten, kam allerdings fast kalt zurück an den Tisch, nachdem sie der Kellner nach der Präsentation zum Filetieren ans Sideboard mitgenommen hatte. Da wären heiße Teller und ein Rechaud ein Muss. Der Risotto reiht sich in der Kategorie guter Durchschnitt ein. Die Fleischqualität beim Schnitzel war sehr gut. Das Salz, das beim Fleisch leider fehlte, war bei den Pommes im Überfluss vorhanden. Die Schokoladenmousse mit Olivenöl (12,50 Euro) musste ich wegen der Kombination probieren – eine gute Mousse, wobei vom Olivenöl nicht wirklich viel zu schmecken war. Das liegt aber vielleicht daran, dass ich fast nur mit Olivenöl koche und den Geschmack deshalb gewöhnt bin. Die Küche ist also eher Bezirks- als Champions-Liga. Wobei das wahrscheinlich kleine Startschwierigkeiten sind, denn Dennis Remo Brunner, der als Küchenchef vom Waldhaus Sils zurück ins Ländle kam, bewegt sich seit Jahren in der kulinarischen Champions League. Das Pier69 mit seiner tollen maritimen Innenarchitektur und dem schönen Außenbereich liegt übrigens unmittelbar am Hafen.

Der gebürtige Feldkircher Michael Kerschbaumer (Jg. 1968) arbeitete 15 Jahre als Koch in der internationalen Hotellerie und im Airline Catering, bevor er sich zum Wirtschaftsinformatiker Fachrichtung Qualitätssicherung ausbildete.

Pier69 Hafenrestaurant, Seestraße 4, 6900 Bregenz, Tel. 05574 43202