Auf dem Weg zur „Grünen Matura“

30.03.2018 • 16:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Referent Robert Ess erklärt den Teilnehmern, wie Fehlschüsse entstehen und wie diese vermieden werden können. VN/Mef
Referent Robert Ess erklärt den Teilnehmern, wie Fehlschüsse entstehen und wie diese vermieden werden können. VN/Mef

Rund 100 Jungjäger bereiten sich auf ihre große Prüfung vor.

Feldkirch Schauplatz Wildpark Feldkirch: Vögel zwitschern, Blätter rauschen, ein Knall und es plätschert. Ein Referent der Jägerschule hat gerade auf einer Wiese abseits des Geschehens auf einen Wasserkanister geschossen. Natürlich aber nicht nur einfach so per Gaudi. An diesem Vormittag steht ein Seminar für Jungjäger auf dem Programm. Die Prüflinge sollen dabei unter anderem lernen, welche Wirkung Jagdmunition hat.

Die Ausbildung der Jungjäger ist im November gestartet. Höhepunkt ist die Prüfung im Mai. Der Weg zur „Grünen Matura“, wie die Jägerprüfung im Jargon genannt wird, ist kein Spaziergang, da sind sich die Jungjäger einig. Da reicht kein Jägerlatein. Auf dem Lehrplan stehen neben Waffenkunde Themen wie Wildökologie, Wildbrethygiene, der Umgang mit Jagdhunden und Wildbewirtschaftung. Außerdem müssen sie sich mit dem Jagdgesetz und den wichtigsten rechtlichen Grundlagen der Vorarlberger Naturschutzverordnung auskennen. „Ich muss mir die Sachen schon nochmal genau anschauen“, meint eine Teilnehmerin. Genauso wie die anderen 70 Exkursionsteilnehmer ist sie im traditionellen Grün gekleidet.

100 Jungjäger pro Jahr

Die Ausbildung scheint äußerst gefragt zu sein. Seit 2003 bietet die Volkshochschule Götzis in Zusammenarbeit mit den Vorarlberger Jägern einen Vorbereitungslehrgang inklusive Exkursionen für die Prüfung an. Alle zwei Jahre gibt es Blockkurse. „Wir haben jedes Jahr etwa 100 Jungjäger“, berichtet Jörg Gerstendörfer, Leiter der Jägerschule. Etwa ein Viertel davon seien Frauen. Vertreten sind alle Altersgruppen. Ebenso bemerkenswert: Rund 15 Prozent der Teilnehmer würden gar nicht zur Prüfung antreten. Viele würden im Kurs lediglich mehr über die Natur erfahren wollen. Bei der Ausbildung gehe es darum, Respekt vor der Natur und den Lebewesen zu vermitteln, betont Gerstendörfer.

Einer der Referenten ist der Niederösterreicher Christoph Rogge. Gemeinsam mit den Prüflingen wiederholt der Berufsjäger alles rund um das Thema Schalenwild, welches bereits in einer theoretischen Einheit auf dem Plan stand. „Es geht darum, welche Lebensansprüche das Wild hat, und auch ein Gefühl für die Art zu bekommen“, erklärt der Experte. Interessierter Zuhörer ist unter anderem Johannes Schlattinger. „Ich möchte mehr über die Natur und das Verhalten der Tiere wissen“, erläutert der Feldkircher seine Motivation für die Teilnahme. Das Schießen interessiere ihn eigentlich nicht.

Genau darum geht es ein paar Hundert Meter entfernt, wo die Referenten Robert Ess, Hubert Loretter und Christoph Amann beim sogenannten Anschussseminar erklären, wie man sich vor und nach einem Schuss verhalten muss und welche Fehler es zu vermeiden gilt. Außerdem steht Fährtenarbeit auf dem Programm. Wie Kriminalisten geht so mancher Jungjäger dabei noch auf Knien auf Spurensuche, ehe es wieder heimwärts geht.

In der Serie „VN an der Volkshochschule“ werden fortlaufend Kurse aus verschiedenen Bereichen vorgestellt.