Dem Tod ins Gesicht lachen

Vorarlberg / 30.03.2018 • 19:02 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Papst Franziskus hätte vermutlich für eine moderate Form des Osterlachens einiges übrig. Reuters
Papst Franziskus hätte vermutlich für eine moderate Form des Osterlachens einiges übrig. Reuters

Mit dem Auferstandenen im Rücken sollte das gehen, lehrt das Osterfest.

Schwarzach „Psst!“ Glockenhell hüpft das Kinderlachen durchs Kirchenschiff. Und abermals: „Psst!“ Aber da ist nichts mehr zu machen. Die Kleine giggelt und kriegt sich nicht mehr ein. Der Mama ist das peinlich. Das gelbe Kostüm und der graue Anzug vor ihr haben sich schon umgedreht. Ordentliche Christen. Ernsthafte Menschen. Das ist das Kind nicht. Je mehr die Mutter sich müht, umso mehr zerreißt es die Kleine. Dabei hat der Pfarrer gar nichts Komisches gesagt. Früher hätte er das. Zumindest am Ostersonntag.

Das mag man sich gar nicht vorstellen! Aber es gab eine Zeit, da unternahmen Priester alles, um ihre Gläubige zum Lachen zu bringen. Sie gackerten wie Hühner, machten Handstände auf der Kanzel, erzählten schlüpfrige Anekdoten. Vor allem im süddeutschen Raum erfüllte einmal im Jahr schallendes Gelächter die altehrwürdigen Kirchenräume. Bis die Kirchenoberen das „Osterlachen“ dann verboten haben, so um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

Tut man doch nicht!

Weil man das halt nicht tut. Weil sich das mit der Würde des Amtes nicht verträgt. Irgendwie ist das schade. Denn die Idee dahinter trägt urmenschliche Züge. Das kennen Sie doch auch: Wenn etwas so mit Bedeutung überladen, so verrückt, so unfassbar groß ist, dann bricht oft ein herzhaftes Lachen das zitternde Schweigen der Verlegenheit. Nun ist die Auferstehung Jesu Christi starker Tobak. Sie begründet nichts weniger als die zentrale Hoffnung des Christentums: dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Gott hat seinen Sohn von den Menschen ermorden lassen, dann hat er ihn auferweckt von den Toten, er hat die unüberwindliche Grenze des Todes gesprengt, und der Mensch darf hoffen, dass auch sein Leben nicht im Grab endet. Er geht in seiner ganzen Gebrechlichkeit nicht dem Nichts entgegen, sondern der Fülle Gottes.

Erklären kann man das nicht. Und glauben? Schwierig. Hoffen? Vielleicht. Aber die Prediger von einst gingen noch viel weiter. Sie forderten die Gläubigen zur ultimativen Konsequenz auf. Wenn der Tod schon gar nicht so mächtig ist, wie er uns glauben macht, warum lachen wir ihm nicht ins Gesicht?

Derbe Auswüchse

So schlug die Geburtsstunde des Osterlachens bereits im 14. Jahrhundert. Nun war das Publikum damals schon dem heutigen durchschnittlichen Fernsehkonsumenten nicht unähnlich. Entsprechend derb ging es zu. Vom Ostersonntag des Jahres 1518 etwa ist überliefert, dass der Geistliche im voll besetzten Basler Münster seiner Kanzel entstieg und, wie ein Schwein quiekend, auf allen vieren durch das Mittelschiff lief.

Aber kritische Geister setzen viel früher an. Darf man überhaupt lachen in der Kirche? Hat Gott je gelacht? Vom berühmtesten Lachen der Bibel erzählt das Alte Testament. Als Abraham und Sara, beide schon hochbetagt, von Saras Schwangerschaft erfahren, lacht Sara Gott aus. Aber der Allmächtige übt Nachsicht. So bringt die fast Hundertjährige einen Sohn zur Welt. Sie nennt ihn Isaak. Das heißt übersetzt: Gott lächelt. Da aber Isaak zu den drei Erzvätern Israels zählt, gründet sich also das ganze jüdische Volk auf einem Lachen Gottes. Was für ein hinreißender Gedanke.

Lachender Gottessohn

Hat Christus gelacht? Überliefert ist es nicht. Der Gedanke war einst höchst umstritten. Ein frühes kirchliches Dogma verbietet ihn sogar. Umberto Eco macht den Disput zum Kern seines Romans „Der Name der Rose“. Andererseits lässt die Erzählung von Jesus, der die Hochzeit zu Kana mitgefeiert hat, auf einen durchaus geselligen, wohl auch lachenden Gottessohn schließen.

Aber das ist im Grunde alles nicht so wichtig. Nicht so wichtig jedenfalls wie die befreiende Kraft des Lachens, und der größte Befreiungsakt der Menschheitsgeschichte ist ja wohl die Auferstehung von den Toten, oder? Deshalb setzt im bayerischen Laberweinting nördlich von München, der Pfarrer von St. Martin, Reinhard Röhrner (44), heute noch ein schelmisches Lächeln auf und sagt während der Predigt unvermittelt: „Kennen Sie den schon? Nach dem letzten Abendmahl erscheint der Kellner und fragt: Alles zusammen? Nein, sagt Judas, bitte getrennt. Oder den? Der Papst besucht zum ersten Mal eine Sauna und ist begeistert. Er sagt: „So gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt. Das machen wir morgen gleich noch mal.“ Ein Würdenträger flüstert ihm ins Ohr: „Eure Heiligkeit, morgen geht nicht, da ist gemischte Sauna.“ Darauf der Papst: „Macht nichts. Mit den paar Protestanten werden wir auch noch fertig.“ Sowas trauen die sich in Bayern. Frohe Ostern! TM

Meister Lampe muss seit über 300 Jahren zu Ostern in eine ungewohnte Rolle schlüpfen. APA
Meister Lampe muss seit über 300 Jahren zu Ostern in eine ungewohnte Rolle schlüpfen. APA