Exhibitionist contra Polizist

Vorarlberg / 30.03.2018 • 22:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Delikates“ Verhalten eines Zugpassagiers kam einem Beamten verdächtig vor.

Dornbirn Der Mann habe sich während der Fahrt im Regionalzug zwischen Haselstauden und dem Hauptbahnhof Dornbirn vor den Augen zweier Damen selbst befriedigt, lautet die Anklage.

„Kinderkram“

Ein angeblich unerhörter Vorwurf, der den Beschuldigten bei seiner Verhandlung am Bezirksgericht Dornbirn deutlich erregt: „Das hier ist Kinderkram!“, schmettert er Richter Frank Plasinger merklich entrüstet entgegen und kommt gleichzeitig auf jenen Polizisten zu sprechen, der ihn in dieses Schlamassel geritten habe: „Dieser Mensch hat mich damals nur deshalb mitgenommen, weil ich angeblich einige Handbewegungen gemacht haben soll. Gar nichts habe ich gemacht! Und wieso bekomme ich eigentlich keinen Rechtsanwalt gestellt? Ich fordere Verfahrenshilfe!“

Der Beamte hatte sich zum Tatzeitpunkt zufällig im selben Zugabteil wie der Beschuldigte befunden. Als Zeuge schildert er wie erwartet eine konträre Version des Geschehens: „Ich stand neben der Tür vor dem Viererplatz und dachte mir, also die Art, wie der seine Hand im Hosensack rauf und runter bewegt, das darf doch wohl nicht wahr sein! Bei dem unglaublichen Anblick fragte ich mich, ob ich hier im falschen Film bin.“ Zudem habe sich der Blick des Beschuldigten während seiner griffigen Handlungen auf zwei Damen im Abteil oberhalb der Stiege fixiert.

Hitzige Debatte

„Haben Sie sein Geschlechtsteil gesehen?“, will der Richter von dem Polizisten wissen.

„Nein, aber er hatte eine leichte Jogginghose an und sicher nicht mit seinem Schlüssel gespielt. Der hat sich vor den Frauen befriedigt, und das um 20 nach 6 Uhr morgens.“

Nun entbrennt eine hitzige Debatte zwischen dem Zeugen und dem Beschuldigten. Letzterer faucht den Beamten an:

„Sind Sie Polizist? Dann haben Sie Verbrechen zu verhindern und nicht sowas!“

„Ja, ich bin Polizist. Und ich habe mich vor Ihnen ausgewiesen“, erwidert der Angesprochene und: „Sie hingegen konnten sich nicht ausweisen. Deshalb habe ich Sie gleich zur Inspektion mitgenommen.“

Der Beschuldigte: „Sie haben mich im Zug doch überhaupt nicht sehen können! Da war eine Wand zwischen Ihnen und mir.“

Zeuge: „Ja, aber eine Glaswand.“

Der Beschuldigte: „Wie kommt es dann, dass ich Sie nicht sehen konnte?“

Zeuge: „Na, weil Sie keine Augen im Hinterkopf haben . . .“

Der Richter zum Zeugen: „Wie lange ist der Vorgang eigentlich gegangen?“

Antwort: „Etwa drei bis vier Minuten.“ Worauf der Beschuldigte entsetzt einwirft: „Quatsch! Von Haselstauden bis zum Hauptbahnhof dauert die Fahrt gerade mal zwei Minuten.“

Die Videoaufnahme

Und was denn überhaupt mit dem dubiosen Video der Überwachungskamera im Zug sei, die seine angebliche Tat aufgezeichnet habe, will der Angeklagte noch wissen.

„Das Video ist schlecht“, kommt als Antwort und bringt den Beschuldigten endgültig auf die Palme. „Immer diese Videos von mir, die so schlecht sind“, sagt der Mann, dessen Vorstrafenregister dem Vernehmen nach bereits mehrere Eintragungen wegen sexueller Handlungen in der Öffentlichkeit „zieren“. Der Richter beginnt sich für die Videoaufzeichnung zu interessieren. „Dieses Video wird herbeigeschafft“, sagt er und vertagt die Verhandlung auf vorerst unbestimmte Zeit.

„Bei dem unglaublichen Anblick fragte ich mich, ob ich hier im falschen Film bin.“