Vorarlberger Tierhändler wehren sich

Vorarlberg / 30.03.2018 • 18:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tiertransporte sorgen immer wieder für Diskussionen. Apa
Tiertransporte sorgen immer wieder für Diskussionen. Apa

Transporteure und Bergbauern gehen nach Vorwürfen in die Offensive.

Schwarzach Bilder von Tiertransporten lassen seit jeher Emotionen hochkochen. Im Dezember 2016 sorgte das Video eines Schweinetransports in Vorarlberg für Aufruhr. Im November des Vorjahrs war es abermals der Verein gegen Tierfabriken (VGT), der Videos eines Transports veröffentlichte. Es ging um Kälber, die nach Italien gebracht wurden. Anfang des Jahres verlautbarte der VGT, dass manche dieser Tiere weiter in den Nahen Osten gebracht wurden. Die Bilder zeigten, wie schrecklich mit den Tieren dort umgegangen wird. Das Land reagierte und präsentierte einen Acht-Punkte-Plan, damit einige dieser Kälber im Land bleiben. Die 3000 transportierten Schlachtkälber jährlich sollen um 1000 reduziert werden. Zudem verbot das Land Transporte in Drittstaaten.

All diese Punkte gelten für Schlachtvieh. Am Donnerstag goss ein ORF-Bericht weiteres Öl ins Diskussionsfeuer. Demnach wird auch Zuchtvieh in Drittstaaten transportiert, etwa nach Russland. Ein Umstand, den niemand bestreitet, allerdings müsse zwischen Zuchtvieh und Schlachtvieh stark unterschieden werden, betonen alle Beteiligten.

Laut Thomas Jutz, Geschäftsführer des Vorarlberger Rinderzuchtverbandes, wurden im Vorjahr bei Versteigerungen 1016 Zuchttiere aller Kategorien und Rassen verkauft. 579 Kühe und Kalbinnen gingen nach Italien. Kalbinnen sind junge Kälber im Alter zwischen zwölf und 16 Monaten, die zum ersten Mal trächtig sind. Der Export von Zuchtkalbinnen in Drittländer wird laut Verband direkt auf den Höfen abgewickelt, dies seien im langjährigen Durchschnitt zwischen 30 und 100 Stück pro Jahr. „Wie viel der private Viehandel vermarktet, ist uns nicht bekannt“, sagt Jutz.

„Tierwohl ist wichtig“

Einer der privaten Viehhändler ist Ehrenfried Fuchs aus Lingenau. Er berichtet von 150 bis 200 Zuchttieren, die er jährlich in Drittländer bringt, und betont: „Mir ist das Tierwohl sehr wichtig.“ Er habe schon Fotos verlangt, um zu sehen, wie die Tiere beim Abladen behandelt werden. „So werden Tiere teilweise nicht mal bei uns abgeladen“, berichtet er. Er sei ebenfalls dagegen, dass Schlachttiere in Drittländer gebracht werden. Beim Zuchtvieh sei es etwas anderes. „Auf die Tiere wird gut aufgepasst.“ Bei einem Russlandtransport zum Beispiel seien zwei jeweils achtstündige Pausen dabei. Ein weiterer Viehhändler, der anonym bleiben möchte, stimmt zu: „Zuchttiere werden in Drittstaaten gut behandelt, schließlich kosten sie ja Geld.“ Zudem würde die Dachorganisation „Rinderzucht Austria“ (ZAR) Experten ausbilden, um die Tiere zu betreuen. Beide Händler betonen: Natürlich gebe es wie überall schwarze Schafe, gegen die müsse man auch vorgehen.

Zuchtvieh hat in Vorarlberg einen hohen Stellenwert, nicht nur wegen der Milchwirtschaft. Auch Bergbauern gehen in die Offensive. Im VN-Gespräch erklärt ein Landwirt, der ebenfalls anonym bleiben möchte: „Ohne Jungtiere funktioniert unsere Alpwirtschaft nicht mehr.“ Alpen würden vielfach von Jungtieren bevölkert. Über den Sommer blieben sie dort. „Im Herbst brauchen die Landwirte nicht mehr alle Tiere, weshalb einige in den Export gehen.“ Zudem sei Zuchtvieh ein Wirtschaftsfaktor für Landwirte. Im Jahr 2016 brachte eine Kalbin im Durchschnitt 1363 Euro. Österreichweit betrug der Exportwert der Zuchtrinder laut ZAR im Vorjahr rund 70 Millionen Euro. Insgesamt wurden 34.500 Tiere exportiert, drei Viertel davon in Drittländer, 17.500 in die Türkei, dort werde am meisten bezahlt.