Vorfahrt fürs Fahrrad auf immer mehr Straßen

Vorarlberg / 08.04.2018 • 18:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Land und Gemeinden forcieren den Ausbau von Fahrradstraßen.

Schwarzach Autos dürfen sich hier erstmal hinten anstellen. Auf Fahrradstraßen gelten eigene Regeln. Seit fünf Jahren können Gemeinden per Bescheid verkehrsarme Straßenabschnitte entsprechend ausweisen. Der Beginn ist gemacht. Die erste Fahrradstraße Österreichs wurde in Hard für den Verkehr freigegeben. Mit durchwegs positiven Erfahrungen, wie Bürgermeister Harald Köhlmeier sagt. Es brauche eine entsprechende Bewusstseinsbildung, da der motorisierte Individualverkehr in die zweite Reihe gedrängt und der Fahrradfahrer bevorzugt werde. Für die Gemeinden des Landes würden Fahrradstraßen an Bedeutung gewinnen, da mit überschaubarem Aufwand Lücken im Radnetz geschlossen werden können, so der Gemeindeverbandspräsident weiter. So dürfte in den nächsten Jahren Kilometer um Kilometer neu ausgeschilderte Abschnitte dazukommen. Vorfahrt fürs Fahrrad wird es auf immer mehr Straßen geben, davon ist Köhlmeier überzeugt. Auch in Hard laufen die Vorbereitungen für eine zusätzliche Fahrradstraße.

Altach und Wolfurt Vorreiter

Noch sind sie ein eher seltener Anblick. Nur in zehn der 96 Gemeinden gibt es sie, teils sind es nur wenige Hundert Meter Straße. Altach (5,1 Kilometer) und Wolfurt (4,4 Kilometer) sind Vorreiter. In Städten wie Feldkirch oder Hohenems sucht man die großen blauen Piktogramme auf dem Asphalt bisher vergebens. Dort, wo es Sinn macht, und das seien ausschließlich verkehrsarme Straßenabschnitte, könnten Fahrradstraßen flächendeckend Teil der Verkehrsstrategie der Gemeinden werden, sagt Harald Köhlmeier. Auch das Land forciert einen Ausbau. „Fahrradstraßen sind ein ausgezeichnetes Mittel, um Ortszentren zu entschleunigen und Radfahrern und Fußgängern mehr Raum zu geben“, so der zuständige Mobilitätslandesrat Johannes Rauch. Im Landhaus habe man jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass diese Maßnahmen gut für Quartiersentwicklungen sind. „Wir hoffen, dass noch viele weitere Fahrradstraßen im Land entstehen“, so Rauch.

Das wünscht sich auch Anna Schwerzler. Die Fahrradkoordinatorin des Landes ortet große Potenziale. Empfohlen würden den Gemeinden Fahrradstraßen entlang der 850 Kilometer Radrouten: „Im innerörtlichen Bereich, wo es keine sinnvolle Möglichkeit für einen eigenen Radweg gibt“, erklärt sie. Fahrradfahrer sollten nicht auf einem Streifen an den Rand gedrängt werden, vielmehr wolle man sie in den Mittelpunkt stellen und dem Radverkehr einen anderen Stellenwert geben.

Großer Informationsbedarf

Mit neuen Fahrradstraßen wächst der Informationsbedarf. „Viele Autofahrer kennen noch nicht einmal die Verkehrsschilder für Fahrradstraßen, weil es diese bei ihrer Führerscheinprüfung noch gar nicht gab“, sagt Schwerzler. Auch die Regeln sind größtenteils unbekannt. So dürfen Fahrradfahrer ganz offiziell nebeneinander fahren, sofern dadurch Autofahrer nicht mutwillig behindert werden. Die Fahrradkoordinatorin des Landes spricht von einer wichtigen sozialen Funktion der Straßen. Es könne zusammen gefahren werden, das gemeinsame Erlebnis sei wichtig, sagt sie. Das bedeutet allerdings auch, dass sich längst nicht alle Straßenabschnitte dafür eignen. „Wo viele Autos unterwegs sind, machen Fahrradstraßen keinen Sinn“, schränkt Anna Schwerzler ein.

Viel mehr Hindernisse gibt es aber nicht. Weil die Kosten für die Kommunen niedrig sind und die Prozesse kurz und einfach, dürften schon bald die nächsten Fahrradstraßen mit blauer Farbe auf dem Boden gekennzeichnet werden. Damit Vorarlberg beim Fahrradverkehr Vorzeigebundesland bleibt, braucht es die entsprechende Infrastruktur – und Fahrradstraßen gehören eben dazu, sind die Verantwortlichen überzeugt. VN-MIG

„Fahrradstraßen kosten die Gemeinden wenig. Die Wirkung ist dennoch groß.“