Der Suchtarbeit fehlen Ärzte

Vorarlberg / 09.04.2018 • 20:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Gleichzeitig berichtet Stiftung Maria Ebene von steigenden Klientenzahlen.

Götzis Leistungszahlen gesteigert, Budgets eingehalten: Günter Amann, Verwaltungsdirektor der Stiftung Maria Ebene, kann mit dem vergangenen Geschäftsjahr zufrieden sein. Nur ein Wermutstropfen trübt die glasklare Bilanz: Auch dem Kompetenzzentrum für Suchtfragen mangelt es an Fachärzten. Derzeit sind zwei Ausbildungs- sowie eine Assistenzarztstelle unbesetzt. Außerdem stehen in nächster Zeit zahlreiche Pensionierungen an. Dieser latente Mangel an medizinischem Personal werde die Stiftungsverantwortlichen weiterhin stark fordern, hieß es bei der Bilanzpressekonferenz gestern, Montag. Primar Michael Willis, der im Jänner die Nachfolge von Reinhard Haller angetreten hatte, hofft dennoch, junge Kollegen zur Arbeit mit Suchtkranken motivieren zu können.

Hohe stationäre Auslastung

Denn die wird es in Anbetracht von immer mehr Klienten brauchen. So stieg etwa die Auslastung im Suchtkrankenhaus und in den Therapiestationen Carina und Lukasfeld auf 94 Prozent. In Zahlen gegossen waren das 609 stationäre Patienten sowie 1158 ambulante Fälle. In den drei Clean-Suchtberatungsstellen in Bregenz, Feldkirch und Bludenz wurden insgesamt 1114 Personen betreut, was eine Steigerung um sieben Prozent gegenüber 2016 bedeutet. Die Werkstatt für Suchtprophylaxe (SUPRO) erreichte mit ihren Angeboten zur Suchtvorbeugung fast 10.000 Personen.

Um die auch im ambulanten Bereich wachsenden Herausforderungen zu bewältigen, wird am 1. Juli 2018 in Bregenz eine Abgabestelle für Substitutionspatienten eröffnet. Die neue Einrichtung ist Teil der Beratungsstelle Clean und funktioniert wie eine Apotheke. „Nach ärztlicher Verschreibung können Personen, die sich im Ersatzdrogenprogramm befinden, bei uns die Medikamente abholen“, erklärte Thomas Halbherr, Leiter des Arbeitsbereichs Substitutionsbehandlung. Als besonderen Vorteil bezeichnete er die bessere Anbindung der Betroffenen an die soziale Betreuung.

Suizid-Vorbeugung

Primar Michael Willis unterstrich in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit einer abstinenzorientierten Suchtarbeit, wie sie die Beratungsstellen Clean leisten. Dank der zur Verfügung stehenden guten Medikamente sowie der engmaschigen Betreuung in diesen Einrichtungen könnten Suchtpatienten ein zufriedenes Leben führen. Als Ziele seiner eigenen Arbeit nannte Willis unter anderem einmal mehr die Entstigmatisierung von Abhängigkeitserkrankungen sowie den leichteren Zugang zu Therapien für Suchtkranke. Die stellvertretende Leiterin der SUPRO, Heidi Achammer, verwies auf ein anderes Problem, das besonderes Augenmerk braucht, nämlich die Suizidprävention bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. „In Österreich gibt es jährlich etwa 30 bis 40 Suizide in der Altersgruppe der 10- bis 24-Jährigen“, verdeutlichte sie die Notwendigkeit von entsprechenden Gegenmaßnahmen. In Vorarlberg wurden mit dem Projekt „Wellenreiten“ gute Erfahrungen gemacht. Es soll im Umgang mit suizidalem Verhalten sensibilisieren. Die Webseite www.bittelebe.at informiert ebenfalls. VN-MM

„Dank guter Medikamente können Sucht­patienten ein zufriedenes Leben führen.“

stationärer Bereich 2017

28.803 Verpflegstage wurden im Krankenhaus Maria Ebene sowie in den Therapiestationen Carina und Lukasfeld verrechnet.

7760 ambulante Frequenzen verzeichneten die Einrichtungen zusätzlich.

1158 ambulante Fälle weist die Jahresstatistik außerdem aus.

63,9 Prozent der Patienten stammten aus Vorarlberg, die übrigen Klienten kamen aus anderen Bundesländern sowie aus Liechtenstein, der Schweiz und aus Südtirol.