Dem Mikroplastik in Fischen auf der Spur

Vorarlberg / 13.04.2018 • 19:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Samuel Roch will in der Langenargener Fischereiforschungsstelle herausfinden, was mit Mikroplastik im Körper der Fische passiert. VN/Paulitsch
Samuel Roch will in der Langenargener Fischereiforschungsstelle herausfinden, was mit Mikroplastik im Körper der Fische passiert. VN/Paulitsch

Untersuchung über Auswirkung auf Bodenseefische.

Schwarzach Sie sind winzig, stammen aus Zahnpasta und Duschgel und gelangen über das Abwasser in die Umwelt. Sie entstehen, wenn sich weggeworfene Plastiksäcke zersetzen oder wenn sie beim Waschen aus Synthetikkleidung gelöst werden.

Gemeint sind Plastikpartikel, die kleiner als fünf Millimeter und oft ohne Vergrößerungsglas nicht erkennbar sind. Das sogenannte Mikroplastik ist nicht nur in den Weltmeeren zu finden, sondern auch in heimischen Gewässern wie dem Bodensee. Das belegen verschiedene Studien. Die Forschung rund um das Thema ist aber noch jung. Über die Auswirkungen des Mikroplastiks auf Mensch und Umwelt ist noch wenig bekannt.

Da solche Teilchen in den Mägen von Fischen landen können, versuchen Wissenschaftler der Fischereiforschungsstelle in Langenargen am Bodensee seit vier Jahren herauszufinden, wie belastet Seen und Flüsse mit Mikroplastik sind und was im Körper der Fische mit den winzigen Teilchen passiert.

„Es geht darum, zu untersuchen, wie das Plastik in den Fisch gelangt. Also ob er es aktiv frisst, es zufällig passiert oder er es durch die Nahrung aufnimmt, wenn er etwa Wasserflöhe frisst“, erklärt Doktorand Samuel Roch, der am Projekt arbeitet.

Spezielles Futter in Verwendung

Samuel Roch hat inzwischen mehrere Tausend Fische unter die Lupe genommen. Im Fokus standen dabei unter anderem Regenbogenforellen und Äschen. „Es muss natürlich eine bestimmte Menge an Fischen untersucht werden, damit die Forschung aussagekräftig ist“, informiert der junge Wissenschaftler weiter, während im Becken hinter ihm Fische ihre Runden schwimmen. Um herauszufinden, welche Auswirkungen die Plastikteilchen im Körper haben, bekam ein Teil der Tiere bei Langzeitversuchen ein spezielles Futter. „Das Plastik ist oft kleiner als ein Millimeter und mit bloßem Auge nicht zu sehen, wenn es nicht gerade zufällig grellgelb ist“, erklärt Roch. Daher verwendete er bei den Versuchen im Labor spezielles Futter, in das winzige farbige Teilchen eingearbeitet waren. „Diese sind fluoreszierend.“ Er zeigt auf mehrere runde Schälchen mit den leuchtenden Teilchen. Mit einer extra für das Projekt entwickelten Methode untersucht er die Fische danach im Labor. Dabei will er analysieren, was mit den Partikeln im Körper der Fische passiert. Die Forschungen sind mittlerweile fast abgeschlossen. Bis September sollen sie fertig sein. „Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen, da die Auswertung noch läuft“, sagt Samuel Roch. Die gute Nachricht sei aber, dass bisher keine besorgniserregenden Mengen an Mikroplastik entdeckt wurden. Hotsports wie Bereiche von Kläranlagen seien aber noch nicht untersucht worden. Außerdem bestehe im Zusammenhang mit Mikroplastik weiterer Forschungsbedarf. „Wir stehen erst am Anfang.“

Auch in Vorarlberg werden die Forschungen in Langenargen mitverfolgt. „Das Thema Mikroplastik ist bekannt. Erste Ergebnisse haben ja gezeigt, dass die Teilchen auch in Binnengewässern zu finden sind“, sagt Gerhard Hutter, Abteilungsleiter Gewässergüte im Umweltinstitut. Derzeit werde das Thema aber nicht als vordringliches Problem eingestuft. Es gebe keine Gefährdung für Umwelt und Gesundheit. „Wir werden diese Forschungen natürlich verfolgen und sofort handeln, wenn es ein Problem gibt“, bekräftigt Hutter.

Mit einer speziellen Methode werden Fischmägen untersucht.
Mit einer speziellen Methode werden Fischmägen untersucht.