Es fehlt an Kassenhebammen

Vorarlberg / 22.04.2018 • 21:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hebammen-Landesobfrau Helga Hartmann ist mit der derzeitigen personellen Situation mehr oder weniger zufrieden.vn/hartinger
Hebammen-Landesobfrau Helga Hartmann ist mit der derzeitigen personellen Situation mehr oder weniger zufrieden.vn/hartinger

Nur vier der insgesamt acht Vertragsstellen sind derzeit besetzt.

Schwarzach In Deutschland fehlen sie, hier sichern sie die Versorgung mit. Denn ohne Hebammen von drüben würde es auch in Vorarlberg eher düster aussehen. Es kehren nämlich nur wenige Absolventinnen der Fachhochschule Innsbruck wieder zurück. „Es kann niemand verpflichtet werden, in einem Vorarlberger Krankenhaus oder freiberuflich als Hebamme in Vorarlberg tätig zu sein“, gibt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard zu bedenken.

Dank der Hebammen aus Deutschland bestehe jedoch eine gute personelle Abdeckung. Helga Hartmann, Leiterin des Hebammengremiums in Vorarlberg, bestätigt diese Aussage. Sie schränkt aber ein, dass dies nur die Planstellen in den Spitälern betrifft. „Im niedergelassenen Bereich gibt es eindeutig zu wenig Kassenhebammen“, beklagt Hartmann.

Unbefriedigende Konditionen

Tatsächlich sind von den insgesamt acht Vertragsstellen derzeit nur vier besetzt. Das sei ein eklatanter Missstand. Als Grund nennt sie zu wenig lukrative Konditionen. Vonseiten der Vorarlberger Gebietskrankenkasse (VGKK) wird eingeräumt, dass nur für die Hälfte der Kassenstellen Hebammen zu gewinnen waren und die anderen vier Stellen schon länger ausgeschrieben sind.

Das Interesse sei offenbar nicht allzu groß, die Gründe ließen sich nur vermuten. Möglicherweise sei der Tarif nicht besonders attraktiv. „Da können wir als VGKK aber nichts ausrichten, weil dieser bundesweit einheitlich verhandelt wurde und wir das so hinnehmen müssen“, heißt es in einer Stellungnahme. Auf Basis einer Bedarfserhebung wurde im Einvernehmen mit dem Hebammengremium die Zahl der Vertragsstellen vor einigen Jahren von elf auf acht reduziert.

Zwei Hebammen für Hausgeburten

Derzeit gibt es in Vorarlberg etwa 120 Hebammen. Ein Drittel ist laut Helga Hartmann angestellt, ein weiteres Drittel angestellt und freiberuflich tätig, und ein Drittel arbeitet ausschließlich auf freiberuflicher Basis. Für Hausgeburten stehen lediglich zwei Hebammen zur Verfügung. Im vergangenen Jahr wurden über die Gebietskrankenkasse 48 Hausgeburten abgerechnet. „Die Nachfrage ist viel höher. Leider fehlt es an personellen Kapazitäten“, bedauert Hartmann. Würde die immer wieder geforderte Ausweitung der Hebammenbetreuung bis auf das dritte und vierte Lebensjahr des Kindes kommen und es mehr Hausgeburten geben, käme es auch in Vorarlberg zu einem akuten Mangel an Hebammen. „Dann würde es im niedergelassenen Bereich auf jeden Fall mehr brauchen.“ Darüber ist sich Gesundheitslandesrat Christian Bernhard durchaus im Klaren. So jedoch kann er immer noch darauf verweisen, dass das westlichste Bundesland gemeinsam mit Kärnten die höchste Dichte an praktizierenden Hebammen hat.

Freier Studienzugang

Das Interesse am Beruf selbst ist ebenfalls gegeben. „Im Mai finden wieder Aufnahmeprüfungen an der Fachhochschule Innsbruck statt“, bemerkt Helga Hartmann. Aufgrund der vielen Bewerbungen sei sogar ein zweiter Lehrgang eingeschoben worden. Aber nur wer die Aufnahmekriterien erfüllt, kommt letztlich zum Zug. „Das Land kann keine Plätze kaufen“, stellt Bernhard eine immer wieder gehörte Meinung richtig. Die einmal angedachte Möglichkeit, an der FH Vorarlberg einen eigenen Fachhochschulstudienlehrgang für die Hebammenausbildung einzurichten, wurde inzwischen verworfen. Das würde sich nicht rentieren, begründet Christian Bernhard.

Von morgen, Dienstag, bis Donnerstag findet in Wien der Bundeskongress der Hebammen statt. Dabei geht es unter anderem um die Entlohnung der Hebammen. Zumindest damit ist Helga Hartmann zufrieden. „Die soziale Absicherung passt“, betont sie. In Vorarlberg sind die Hebammen den medizinisch-technischen Diensten (MTD) gleichgestellt. VN-MM

„Es kann niemand verpflichtet werden, als Hebamme in Vorarlberg tätig zu sein.“