Große Angst vor dem Feuerbrand

22.04.2018 • 16:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In unschuldigem Weiß zeigen sich die Apfelblüten bei Jens Blum. Der Obstbauer hofft, dass ihn der Feuerbrand verschont. VN/Steurer
In unschuldigem Weiß zeigen sich die Apfelblüten bei Jens Blum. Der Obstbauer hofft, dass ihn der Feuerbrand verschont. VN/Steurer

Hohe Temperaturen zur Blüte lassen Schlimmes befürchten.

Höchst  Nach dem Frost im vergangenen Jahr nun wieder der Feuerbrand? Obstbauern scheint in den vergangenen Jahren gar nichts erspart zu bleiben. Während Ende April 2017 ein dramatischer Kälteeinfall nahezu die gesamte Ernte dahinraffte, versetzt der sattsam bekannte Feuerbrand auch heuer die heimischen Obstbauern in helle Aufregung. Die Bedingungen für eine massive Vermehrung der für Obstblüten tödlichen Bakterien sind heuer geradezu ideal: Temperaturen um die 25 Grad, und das über mehrere Tage zur Zeit der Blüte.

Hoffen auf neue Mittel

„Es besteht höchste Infektionsgefahr. Wir haben Indizien dafür, dass sich die Bakterien massiv vermehren“, muss der größte gewerbliche Obstbauer im Land, Jens Blum, zerknirscht feststellen. Freilich: Die Hoffnung stirbt für den erfahrenen Landwirt zuletzt. „Es gibt auch Anzeichen dafür, dass es vielleicht doch nicht so schlimm wird.“ Einer dieser Hoffnungsstrohhalme ist die kurze Zeit der Blüte. Des weiteren auch die eingesetzten ökologischen Mittel zur Verhinderung des Feuerbrandes. „Es handelt sich dabei um essigsaure Tonerde, aber auch um ein Algenextrakt“, berichtet Blum.

Das Problem bei diesen Mitteln: „Wir wissen nicht, wie stark sie wirken. Bei diversen Tests gab es damit das eine Mal sehr gute Erfolge, das andere Mal wieder geringe. Wie’s bei uns heuer wird, können wir daher nicht sagen“, beschreibt Blum die Ungewissheit.

Höfert ist skeptisch

Es wird etwa zehn Tage dauern, bis ein sich abzeichnender Schaden evident wird. Inwiefern das Wetter der kommenden Tage die Gefahren erhöht bzw. mindert, muss sich ebenfalls erst weisen.

In Gefahr sind bei den Äpfeln derzeit vor allem die Sorten Boskop und Topas, die in voller Blüte stehen. Bei den Birnen ist speziell die Williamsbirne bedroht. Hoffnungen setzt Blum auf die neu gepflanzten Apfelsorten Wellant und Ladiner. Sie sind gegen Feuerbrand wesentlich robuster als manch eine der alteingesessenen Sorten.

Insgesamt wenig zuversichtlich gibt sich Ulrich Höfert, Obstbaureferent der heimischen Landwirtschaftskammer: „Die ausgewerteten Blütenproben vom Wochenende belegten einen Feuerbrandbefall bei den Birnen von 75 Prozent. Besser schaut es bei den Äpfeln aus. Da war eine von sechs Proben negativ.“

Entwarnung sieht Höfert durch das Wetter der kommenden Tage wenig. „Es soll bis Mittwoch 23, 24 Grad haben. Dazu kommt noch Feuchtigkeit. Erst am Donnerstag ist eine deutliche Abkühlung zu erwarten. Bis dahin kann es zu spät sein.“ Ein Einsatz des umstrittenen Antibiotikums Streptomycin ist daher möglich.

„Bei den neuen Mitteln gegen den Feuerbrand gab es mal gute Erfolge, mal weniger gute.“