Die gelbe Blütenexplosion

02.05.2018 • 17:11 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In den vergangenen zwei Wochen waren in heimischen Gefielden immer wieder hellgelbe Staubschwaden zu sehen. DPA
In den vergangenen zwei Wochen waren in heimischen Gefielden immer wieder hellgelbe Staubschwaden zu sehen. DPA

Fichten befinden sich heuer im Liebesrausch und bescheren dem Land eine gelbe Staubdecke.

Schwarzach Egal, ob auf Autos, Terrassentischen, Fenstern, Stiegen oder auf dem Haar – der lästige gelbe Staub klebt derzeit überall. Was so mancher in den vergangenen
Tagen mit den Nachwehen des Saharasand-Zwischenspiels verwechselt hat, kommt aber in Wirklichkeit aus den heimischen Wäldern geflogen.

Es hat spezielle Gründe, warum heuer besonders viel Pollen unterwegs sind. Verantwortlich für die gelbe Decke sind laut Experten einerseits das Wetter, das mit leichtem Wind und wenig Niederschlägen ideale Flugbedingungen für die gelben Kügelchen beschert hat. Andererseits befinden sich derzeit unter anderem die heimischen Fichten im Liebesrausch. Ein Naturphänomen, zu dem es nur alle paar Jahre kommt. „Bei den Fichten gibt es etwa alle sieben Jahre eine sogenannte Vollmast“, erklärt Thomas Ölz von der Forstabteilung der Vorarlberger Landwirtschaftskammer. Dies bedeutet kurz zusammengefasst, dass die weit verbreitete Baumart, die sich in den meisten Jahren auf das Wachstum konzentriert, heuer sehr viele Pollen und Zapfen produziert.

Niesreiz und gerötete Augen

Auch Uwe Berger vom Österreichischen Pollenwarndienst hat das Schauspiel in den vergangenen Tagen naturgemäß genau mitverfolgt. „Es handelt sich derzeit tatsächlich um eine immense Menge Pollen. Sogar meine schwarze Nachbarskatze ist momentan gelb“, berichtet er und muss lachen. Allergiker müssten den Blütenstaub der Fichte an sich kaum fürchten, da die Pollen zu groß seien, um im Körper etwas anzurichten. Die Größe ist auch der Grund, warum sie auf dunklen Flächen sehr gut zu sehen sind. Wegen der derzeitigen Menge könnte der Staub aber Niesreiz auslösen oder zu geröteten Augen führen. Die gelbe Wolke kann für Allergiker aber dennoch ihre Tücken haben und es sollten Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Denn nicht nur die Fichte ist derzeit sehr aktiv, es geht auch schon mit den Gräserpollen los. „An schönen, sonnigen Hängen starten die Gräser genau jetzt. Daher sollte man den gelben Staub nicht unterschätzen“, warnt der Fachmann. Gräserpollen könnten sich nämlich unter den Blütenstaub der Fichten mischen. Daher sei es für Allergiker wichtig, die Hände zu waschen, nachdem sie mit dem hellgelben Staub in Kontakt gekommen sind. „Ja, der Frühling ist halt nicht gerade angenehm für Allergiker“, fügt Berger hinzu. Den Pollengeschädigten bleibt momentan also nur die Hoffnung auf den Regen, der den Staub wegwäscht.

Entspannung im Tal

Während es heute laut Prognosen tätsächlich regnen soll, ist auch an der Fichtenfront Entspannung in Sicht. Das Schauspiel hat etwa vor zwei Wochen begonnen und dürfte sich laut Thomas Ölz vermutlich bald wieder legen. Zumindest im Tal. „In höheren Lagen wird es erst jetzt anfangen.“ Der Liebesrausch der Fichten hat aber nicht nur seine lästigen Seiten. Man muss es auch positiv sehen. So gibt es wieder junge Bäume.

„Bei den Fichten gibt es etwa alle sieben Jahre eine sogenannte Vollmast.“