Lustenaus kurzer Abschied von Ikea

02.05.2018 • 19:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Nach dem Aus für Ikea wird es auch keine Volksabstimmung geben.ikea
Nach dem Aus für Ikea wird es auch keine Volksabstimmung geben.ikea

Auflösung des Vertrags mit dem Möbel­riesen einstimmig beschlossen.

lustenau Wenn eine Gemeindevertretersitzung in Lustenau nicht einmal eine Stunde dauert, sind außergewöhnliche Umstände daran schuld. Diese außergewöhnlichen Umstände waren am Mittwochabend in der außerordentlichen Sitzung der Mandatare im Rathaus gegeben. Es galt Abschied zu nehmen vom Projekt Ikea und zu beschließen, dass die Marktgemeinde die für Ikea vorgesehenen Liegenschaften nicht für die Errichtung eines gleichnamigen Einrichtungshauses umwidmet.

Dieser Beschluss ging schließlich mit 35:0 Stimmen durch. Einzig SPÖ-Langzeitgemeindevertreter Walter Bösch durchbrach die Geschlossenheit. Er verließ bei der Abstimmung den Saal, um so seine Ablehnung des Antrags zu demonstrieren. Bösch war es auch, der den politischen und den Bürgerwiderstand gegen Ikea geißelte. Er sprach vom „traurigen Ende eines politischen Stolperganges im Rückwärtsgang. Künftig werden die Einkaufs­tempel der Umgebung prall gefüllt sein mit der Lustenauer Kaufkraft.“ Bürger hätten eine Volksabstimmung gegen die eigenen Interessen angestrebt. Ikea sei nicht schuld an der angespannten Verkehrssituation, betonte Bösch.

Lob für Ikea

Der grüne Daniel Zadra hielt dagegen. Die Konzernstrategie von Ikea habe sich geändert. Er verwies auf Projekte an anderen Standorten, die entweder diese neue Strategie zum Ausdruck brächten, oder zurückgezogen wurden, wie beispielsweise jenes in Memmingen. Man solle jetzt die Chance nutzen, das für Ikea vorgesehene Grundstück entsprechend gut zu verwerten. Bürgermeister Kurt Fischer hingegen konnte seine Enttäuschung über das gescheiterte Ikea-Projekt nicht verbergen. Er hoffe, dass diese Entwicklung keine negativen Auswirkungen für potenzielle Investoren in Lustenau zur Folge habe. „Was mir gefallen hat, ist die faire Diskussion innerhalb der Bevölkerung. Das war ein Best-Practice-Beispiel für eine von gegenseitigem Respekt getragene Auseinandersetzung.“

Fischer lobte auch die Verantwortlichen des Möbelkonzerns, mit denen er immer gut verhandelt habe und die letztlich eine rasche Auflösung des Vertrags bewerkstelligt hätten. Das Schreiben von Ikea über die Vertragsauflösung langte am 27. April ein, früh genug, um die weiteren Schritte zur Zurücknahme der bereits fixierten Volksabstimmung am 27. Mai  zu setzen. Die Bürgerinitiative hatte ihre Absicht bereits kundgetan, den Antrag auf das Votum aufgrund der geänderten Umstände wieder zurückzuziehen.

Am 9. Mai soll nun der Landtag die gesetzlichen Voraussetzungen durch eine Novelle zum Volksabstimmungsgesetz schaffen. VN-HK