„Mathematik wird zu wichtig genommen“

03.05.2018 • 17:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Frühling ist Maturazeit. Auch am BRG/Borg Schoren Dornbirn haben die Reifeprüfungen begonnen. VN/Steurer
Der Frühling ist Maturazeit. Auch am BRG/Borg Schoren Dornbirn haben die Reifeprüfungen begonnen. VN/Steurer

Kritische Gedanken von Direktor Reinhard Sepp zum Maturastart.

Dornbirn Er ist selber ausgebildeter Mathematiklehrer und als solcher alles andere als gegen das Fach skeptisch eingestellt. Doch Reinhard Sepp ist seit mehreren Jahren vor allem eines: Schuldirektor des BRG/BORG Schoren Dornbirn. Als solcher fühlt er sich  für das Gesamtpaket Gymnasium und natürlich auch für die Matura zuständig. Allein: Bei der Matura haben seit vier Jahren weder Direktoren noch Lehrer Einfluss auf die Aufgabenstellungen. Vorbei sind die Zeiten, als Pädagogen „ihre“ Klasse noch etwas zielgerichteter auf die Reifeprüfung vorbereiten konnten.

Die Aufgaben für die Klausurarbeiten kommen zentral aus Wien vom Ministerium. Zum Auftakt der diesjährigen Reifeprüfung am Donnerstag stand das Fach Deutsch auf dem Programm.

Gemischte Gruppen

Allein am BRG/BORG Schoren stellten sich knapp 90 Kandidatinnen und Kandidaten der ersten Herausforderung. „Sie sind in fünf durchmischten Gruppen aufgeteilt. Das kann man ja in Zeiten von Zentralmatura so machen. Es soll die Schummelgefahr verringern. Die ist bei Klassenverbänden größer als bei Gruppen, deren Mitglieder sonst nichts miteinander zu tun haben“, erklärt Reinhard Sepp. Die 15 Kandidatinnen und Kandidaten im CR1-Raum im oberen Stock sind so eine Gruppe: Sie besteht aus elf Buben und vier Mädchen. Die meisten von ihnen sind schick angezogen – so wie früher alle, die zur Matura antraten. Einige haben sogar die Matura-Mütze neben sich liegen. Für den VN-Fotografen zieht einer der Buben seine Kappe kurz an. Als ein Zweiter dasselbe tun will, meint die Lehrerin. „Ist doch nicht authentisch, oder?“

Wie wird es heuer?

Am Schoren hat man Pionierarbeit für die Zentralmatura geleistet. Bereits 2009 stellte man sich im Rahmen eines Schulversuchs im Fach Englisch zentral ausgegebenen Fragen. Englisch-Professor Gebhard Steiner war einer von jenen, die das Projekt am Schoren mutig vorantrieben. Und als die Zentralmatura im Jahre 2014/2015 Regelwerk wurde, war man zumindest in Englisch am Schoren schon bestens vorbereitet. 

Englisch war denn auch nie ein wirkliches Problem. Weder am Schoren noch an anderen Schulen in Vorarlberg. Viel mehr Sorgen bereitet Pädagogen und Schülern Mathematik.

Auch dem früheren Mathematik-Lehrer und jetzigen Direktor Reinhard Sepp. „Das Fach frisst zu viele Energien. Man weiß nie, wie schwer oder machbar die Aufgaben diesmal sein werden. Vor zwei Jahren waren sie zu schwer, im letzten Jahr ging‘s“, berichtet Sepp. Er erzählt vom Bauchweh und von der Angst bei Schülern und Eltern. Die große Frage ist auch heuer: Wie wird es?

„Gemein war es im Herbst vor einem Jahr. Da bekamen jene, die ohnehin zum zweiten Mal antreten mussten, noch schwerere Aufgaben als vorher. Da fragt man sich schon: Was soll das?“

Die heurige Mathe-Klausur gibt es kommenden Mittwoch.

„Das Fach Mathematik frisst bei Kandidaten und Lehrern zu viel an Energie.“