„UNO-Soldaten handelten nicht korrekt“

03.05.2018 • 16:48 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Günther Wieser (stehend) als Truppenkommandant bei seinem Einsatz in den Jahren 1978/79 am Golan. UN
Günther Wieser (stehend) als Truppenkommandant bei seinem Einsatz in den Jahren 1978/79 am Golan. UN

Günther Wieser, Vorarlberger Oberst i. R, kritisiert Blauhelme wegen Vorfall am Golan.

Schwarzach Günther Wieser (70) weiß nur allzu gut, wovon er spricht. Er selbst war einst Abschnittskommandant einer UNO-Truppe exakt in jenem Gebiet, in dem 2012 syrische Polizeikräfte in einen Hinterhalt der Opposition des Assad-Regimes gerieten und getötet wurden, und dies vor den Augen dort stationierter österreichischer Blauhelme, die das dramatische Geschehen beobachteten. Allerdings nur beobachteten. Denn sie vermieden jedes Eingreifen. Der umstrittene Vorfall ist bekannt und sorgt seit Tagen für Schlagzeilen.

„Ich war in demselben Abschnitt von 1978 bis 1979 Kommandant einer Truppe von rund 60 UNO-Soldaten. Die Aussagen zum betreffenden Vorfall sind für mich teils nicht nachvollziehbar. Ich kann dazu nur die Situation, wie sie zu meiner Zeit war, vergleichen und Schlüsse ziehen. Hat der Kommandant bzw. der an Ort und Stelle zuständige Vorgesetzte die Lage erfasst und auch die beginnende Eskalation erkannt? Hat er das Ganze falsch eingeschätzt?“, fragt sich Wieser im Gespräch mit den VN.

Der Vorarlberger Offizier war Kommandant von vier „Positions“, die Aufgabe seiner Einheit lautete „Peace keeping“ (Friedenserhaltung) und beschränkte sich auf die Beobachtung jener Zone zwischen Syrien und Israel am Golan, die eine markierte entmilitarisierte Zone war. Jede Verletzung dieser Zone musste unweigerlich gemeldet werden. „Die örtlichen Verhältnisse in dieser abgelegenen Gebirgsregion und die dort wohnende Bevölkerung sind dieselben geblieben. Verändert hat sich seither natürlich die sicherheitspolitische Lage“, spricht der Oberst den Syrien-Konflikt rund um das Assad-Regime an.

Als sich dieser Konflikt anbahnte, sei der Ball bei der UNO gelegen. Aber die habe das Mandat, ihre Kontingente mit „Peace enforcement“ (Friedenserzwingung) zu beauftragen, versäumt. „Mit Waffengewalt einzugreifen, war bei dem Vorfall vor sechs Jahren für die Blauhelme natürlich nicht möglich“, so Wieser weiter.

„Video erschreckt mich“

Doch wie hätte er selbst als verantwortlicher Kommandant in dieser Situation reagiert? „Es war Gefahr in Verzug und es hatte sich deutlich eine kritische Situation angebahnt. Spätestens jetzt hätte ich unverzüglich eine Meldung an das vorgesetzte Bataillonskommando erstattet. Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, ein Leuchtsignal abzuschießen.“ Jedenfalls würde er zumindest versucht haben, die Weiterfahrt der syrischen Polizisten zu verhindern. „Das veröffentlichte Video von der Situation erschreckt mich. Die Kommentare der Soldaten waren äußerst unprofessionell.“ Wieser begrüßt den Abzug des österreichischen UNO-Kontingents im Jahr 2013 vom Golan, denn: „Bei wirklichen Problemen hat es versagt.“

„Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, ein Leuchtsignal abzuschießen.“