Alles Rad bei Reini und Co.

06.05.2018 • 16:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Für den Radhändler Reiner Hämmerle ist derzeit Hochsaison.

Lustenau Er kommt um vier Uhr morgens und geht um circa acht Uhr abends wieder. Sechs Tage in der Woche mit dem halben Sonntag als Zugabe: Reiner Hämmerle (55) hat das Lachen trotzdem nicht verlernt. Schließlich macht der Radmechaniker und Radhändler das, was er sich als seinen Traumberuf ausgesucht hat: Er holt alte Räder ab, flickt sie, verkauft sie wieder. Er handelt selbstverständlich auch mit neuen Rädern, mit „normalen“ sowohl als auch mit E-Bikes.

Das Beständige

„Reinis Bike Shop“ heißt sein Geschäft, das er mit sechs Mitarbeitern, drei davon sind seine Söhne, schmeißt. Wobei sich Geschäft, Lebensinhalt und Philosophie im Zeichen des Fahrrads bei Reiner Hämmerle vermischen. „Das Rad ist für mich etwas Beständiges, ein Kontrast zum Schnelllebigen unserer Zeit. Ich mag das Rastlose nämlich nicht“, beschreibt der Lustenauer seine Lebenshaltung, für die das Fahrrad und dessen Geschichte ein Symbol ist.

Reiner Hämmerle zeigt auf ein uraltes Fahrrad, das er hoch an der Wand im Werkraum fixiert hat. „Es stammt aus dem 19. Jahrundert“, sagt Hämmerle nicht ohne Stolz. Der gelernte Schlosser mag mag Altes, und er mag es noch mehr, wenn er diesem Alten zu neuem Glanz verhilft.

Deswegen können sich Leute melden, die keine Verwendung mehr für alte Fahrräder haben. „Wir holen sie dann ab, richten sie wieder her und verkaufen sie.“ Nie hätte Reiner Hämmerle gedacht, dass er mit diesem Geschäftsmodell so erfolgreich sein würde. Er, der Handyverweigerer, kam durch besondere Umstände in dieses Gewerbe.

„Ich war mit einem Kollegen zuerst am Bau. Räder habe ich in meiner Freizeit geflickt. Dann konnte mein Partner aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr weiterarbeiten. Als damals dann gleich zwei renommierte Fahrradgeschäfte in Lustenau für immer ihre Pforten schlossen, habe ich mich kurzerhand dazu entschlossen, in diese Branche einzusteigen.“

Seit 22 Jahren

Das war vor 22 Jahren. Der „hoffnungslose Nostalgiker“ (Hämmerle über Hämmerle) hat diesen Schritt nie bereut. Wobei dieser Tage nostalgische Gefühle eindeutig zu kurz kommen. Das Geschäft läuft, Disziplin und totaler Einsatz sind von allen Mitarbeitern gefordert, die Kundschaft steht Schlange.

Reiner Hämmerle hat das Fahrrad für seine Muße und seine Entspannung jedoch nie verloren. „Ich wohne in Höchst und fahre jeden Tag natürlich mit dem Fahrrad ins Geschäft.“ Seit geraumer Zeit tut er das auch gerne mit einem E-Bike. Auf das fährt er als Nutzer sprichwörtlich ab. „Aber nicht deswegen, weil ich mir das Radeln mit bloßer Muskelkraft ersparen will. E-Bike fahren ist einfach etwas ganz Besonders. Es ist, wie wenn man, aufs Auto umgemünzt, einen Porsche fährt. Ein ganz spezielles Fahrgefühl.“

Die Radferien

Schließlich sind da auch noch die jährlichen Radferien mit seinen Kumpeln. „Wir begeben uns jedes Jahr an einen anderen Ort in Österreich. Von dort aus fahren wir die Umgebung ab. Heuer haben wir uns Wien als Ausgangspunkt für unsere Fahrradausflüge ausgesucht.“

Heuer ist für Reiner Hämmerle überhaupt ein besonderes Jahr. „Zum ersten Mal in all den 22 Jahren werden wir im Sommer einen Betriebsurlaub machen.“  VN-HK

„Das Fahrrad ist für mich etwas Beständiges. Ein Kontrast zur rastlosen Zeit von heute.“

Zur Person

Reiner Hämmerle
Geboren
29. Juli 1962

wohnhaft Höchst

Beruf Schlossermeister, Radhändler

Familie verheiratet, drei Kinder

Hobbys Oldtimer, Radfahren

Lieblingsspeise: Stockrüben

  VN/HK