Parfumdieb stellte sich als schwerer Junge heraus

08.05.2018 • 20:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Dank couragiertem Einsatz konnte 14-fach Vorbestrafter gefasst werden.

FELDKIRCH Rein zufällig ging Othmar Sahler am 7. Mai 2017 mit seiner Tochter Lisa gegen 12.15 Uhr am Bipa-Geschäft in der Feldkircher Innenstadt vorbei. Plötzlich stürzte ein Mann aus dem Laden – und hinterher eine Angestellte, die rief: „Jetzt ist er weg!“ Auf die Frage, ob er etwas gestohlen habe, antworte die Frau mit einem Ja. Das alles passierte in Bruchteilen von Sekunden. Sahler versuchte noch dem Ladendieb den Weg abzuschneiden, doch mit Riesenschritten lief dieser Richtung Bärenkreuzung davon. Der Tostner zögerte nicht lange und nahm die Verfolgung auf. Doch der Dieb, ein 41-jähriger Pole, schien zu entkommen und verschwand in der Unterführung. Das Diebesgut – teures Parfum – hatte er mittlerweile weggeworfen. Während Othmar Sahler versuchte den Gauner zu schnappen, passte seine Tochter auf die entledigte Beute auf.

Mittlerweile traf auch die Polizei am Tatort ein. Und durch den entscheidenden Hinweis des mutigen Feldkirchers, gelang es der Polizei schließlich, den Täter zu fassen. Er hatte sich in der Höhe des Hotel Bären im Gebüsch hinter einem Schaltkasten versteckt. Erst hinterher stellte sich heraus, dass es
sich bei den Polen um keinen ein­fachen Ladendieb, sondern um einen ziemlich schweren Jungen handelt.

In seiner Heimat wurde der Mann bereits neun Mal verurteilt, in Frankreich fünf Mal. Entsprechend hart fiel das Urteil aus. Am Landesgericht Feldkirch wurde er in erster Instanz zu zwei Jahren Haft verurteilt. Hinzu kommen noch insgesamt fünf Jahre offene Haftstrafen, die er in Frankreich verbüßen muss.

All dies war Othmar Sahler bei seiner Verfolgungsjagd natürlich nicht bewusst. Als Held sieht sich der 56-Jährige trotzdem nicht. Für ihn war es vielmehr Zivilcourage. „Man kann nicht einfach Waren stehlen. Das ist nicht in Ordnung. Andere bezahlen ja auch dafür.“ Angst habe er keine gehabt, auch wenn er kein Risiko eingegangen wäre. „Ich bin nebenbei Kickbox-Lehrer und weiß mich im Ernstfall schon zu wehren“, sagt der alles andere als ein Muskelprotz wirkender Mann, der für seinen Einsatz mit dem Sicherheitspreis ausgezeichnet wird. CRO 

KSÖ-Sicherheitspreis

Das Kuratorium Sicheres Österreich (KSÖ) verleiht wieder den Sicherheitspreis. Damit werden private Personen ausgezeichnet, die sich im Jahr 2017 um die Aufklärung von Verbrechen verdient gemacht haben. Es sind Helden des Alltags, die durch ihr couragiertes Verhalten einen besonderen Beitrag bei der Unterstützung der Polizei und damit für die Sicherheit der Bevölkerung geleistet haben. Einige von ihnen stellen wir in dieser Serie vor.