Großes Aufatmen unter Tränen

09.05.2018 • 20:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Robert Schneider am Mittwochvormittag auf dem Weg in den Verhandlungssaal. Bange Stunden erwarten ihn und seine Gattin. vn/sohm
Robert Schneider am Mittwochvormittag auf dem Weg in den Verhandlungssaal. Bange Stunden erwarten ihn und seine Gattin. vn/sohm

Schriftsteller Robert Schneider vom Vorwurf des schweren Betrugs freigesprochen.

Feldkirch „Schlafes Bruder ging in die Herzen der Leser. Und dann geschah das Wunder“, spricht der nunmehr 57-jährige Robert Schneider beim Prozess am Landesgericht Feldkirch den Welterfolg seines auch verfilmten Erstlingsromans in den frühen 90er-Jahren an. Dann die Romane „Die Luftgängerin“ und „Kristus“, die von der Kritik verrissen wurden und zum finanziellen Desaster des erfolgverwöhnten Autors führten.

„Die Tantiemen gingen zurück“, schildert der Angeklagte seinen Abstieg. „Die Buchhändler wurden verunsichert.“

Schneider hatte das geerbte Elternhaus in Meschach renoviert und dafür Unsummen ausgegeben. Gegen das Jahr 2001 waren die Tantiemen von „Schlafes Bruder“ verbraucht. Bankkredite wurden aufgenommen. Doch das Geld reichte nicht. „Ich konnte die Verbindlichkeiten ohne die Hilfe Dritter schließlich nicht mehr befriedigen und wandte mich an Freunde“, sagt der 57-Jährige.

Da war eine Trafikantin in Götzis, die ihm zwei Darlehen gewährte, einmal 64.000 Euro, ein anderes Mal 90.000 Euro. „Sie war überzeugt, dass ich eine große Nummer bin und das Geld zurückzahlen kann.“ Die Sache wurde mittlerweile mit einem außergerichtlichen Tat­ausgleich erledigt. Mehrere andere nahestehende Personen liehen Schneider Geld in Höhe zwischen 10.000 und weit über 90.000 Euro. „Diese Menschen glaubten an mich. Sie waren felsenfest davon überzeugt, dass ich an meinen alten Erfolg anknüpfen werde. Und auch ich selbst bin es.“

Angeklagtes Ehepaar

Heute gibt der Schrifsteller an, nichts zu besitzen und monatlich 1200 Euro zu verdienen. Bezüglich seiner Privatgläubiger sitzt er auf einem Schuldenberg von 277.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft Feldkirch klagte ihn der Vergehen des teils versuchten und teils vollendeten schweren Betrugs und des Verbrechens der betrügerischen Krida an. Als Beitragstäterin sitzt seine 41-jährige deutsche Frau auf der Anklagebank, mit der Schneider seit 2007 verheiratet ist und drei Kinder hat. Sie verdient als Pilotin sehr gut und versorgt praktisch allein die Familie. Einst hat sie Schneiders Haus um 400.000 Euro gekauft, damit konnten die Bankschulden getilgt werden. Angeblich jedoch zu einem Preis unter dem Wert, was dem Paar den Vorwurf einbrachte, einen Teil des Vermögens beiseite geschafft zu haben.

Diversion

Der Schöffensenat konnte jedoch keine Tatvorsätze nachweisen, das „Substrat der Verantwortung der Angeklagten“ war nicht ausreichend. Richterin Sabrina Tagwercher fällte für beide den Freispruch, der allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Im Fall des Vorwurfs gegen Schneider, dass er andere Gläubiger benachteiligt habe, indem er seiner Ehegattin eigene Grundstücke mit geringem Wert per „Schenkungsvertrag“ überließ, entschied sich das Gericht für eine Diversion. Nach dem Freispruch umarmte sich das Ehepaar unter Tränen.