Hanno Loewy

Kommentar

Hanno Loewy

Trumpel

09.05.2018 • 16:51 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Er hat es getan und eine Überraschung war es ganz und gar nicht. Nun muss sich der Rest der Welt warm anziehen, denn die Drohung gilt allen. Verlieren werden dabei nicht zuletzt die USA selbst. Wenn man die USA liebt, dann ist es besonders schmerzend, dabei zuzuschauen, wie aus einem Land der Zukunftsträume ein polternder Greis wird, der alten Zeiten hinterhertrauert und beginnt, um sich zu schlagen.

Raus aus dem Krieg in Syrien, rein in den Krieg in Syrien? Keiner weiß mehr, was die Vereinigten Staaten im Nahen Osten noch für ein Ziel im Auge haben, außer vielleicht die Interessen Saudi-Arabiens zu verfolgen, oder Netanjahu an der Macht zu halten.

Steuern und Sozialleistungen senken? Naja, das gilt auch in Österreich gerade als der letzte Schrei. Aber es führt weder in Washington noch in Wien zu irgendetwas Gutem, außer zu tieferen Gräben in der Gesellschaft.

„Heimatschutz“? Damit fördert man die Migration, irgendwann vor allem die Abwanderung aus dem eigenen Land. Ungarn ist da schon etwas weiter auf dem Weg zum Auswanderungsland.

Schutzzölle auf Stahl? Damit verteuert man nur den Rohstoff, den man selber dringend braucht, und für jeden Arbeitsplatz, den man dadurch gewinnt, verliert man fünf andere.

Waffen für alle? Das wird Amokläufer geradezu ermuntern.

Und jetzt also die Aufkündigung des Atomabkommens mit dem Iran. Keine Frage, unter der Herrschaft der Mullahs hat der Iran in den letzten Jahrzehnten begonnen, sich aggressiv als Konfliktpartei in anderen Ländern zu betätigen und sich jenseits der eigenen Grenzen als schiitische Führungsmacht aufzuspielen.

Aber wenn es ein Land gibt, von dessen Boden in den letzten Jahrzehnten die meisten Terrorakte ausgingen, dann war das wohl eher Saudi-Arabien, der beste Freund des Westens. Und wenn es ein Land im Mittleren Osten gibt, in dem unter der Oberfläche eines autoritären Regimes religiöser Führer eine selbstbewusste Zivilgesellschaft heranwächst, die nur darauf wartet, Anschluss an die Welt zu finden, in dem die Geburtenrate sich einem westlich niedrigen Niveau annähert, dann ist es der Iran, eine der wenigen Nationen der Region, die nicht auf dem Reißbrett kolonialer Mächte entstanden ist.

Alles das soll nun unter dem Getöse eines von außen geforderten „regime change“ totgetrumpelt werden? Gute Aussichten für die Mullahs, schlechte Aussichten für die Demokratie.

„Waffen für alle? Das wird Amokläufer geradezu ermuntern …“

Hanno Loewy

hanno.loewy@vn.at

Hanno Loewy ist Direktor des ­Jüdischen Museums in Hohenems.