Kleine Brücke, großes Problem

11.05.2018 • 17:52 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zwischen Müselbach und Egg rutscht der Hang. Lange Risse ziehen sich durch die Maldonerbachbrücke. VN/Lerch
Zwischen Müselbach und Egg rutscht der Hang. Lange Risse ziehen sich durch die Maldonerbachbrücke. VN/Lerch

Die Bregenzerwaldstraße wird im Sommer zwischen Müselbach und Egg komplett gesperrt.

Alberschwende Die Risse in der Mauer und beim Geländer sind deutlich sichtbar, jene in der Straße ebenso. Die Maldonerbachbrücke zwischen dem Alberschwender Ortsteil Müselbach und Egg ist schon seit Längerem ein Sorgenkind der Straßenbauer. Da das Bauwerk immer weiter in Richtung Bachbett rutscht, fuhren auf der Bregenzerwaldstraße (L 200) im Juli des Vorjahrs die ersten Bagger auf. Nun steht im Sommer eine neunwöchige Totalsperre des Abschnitts an, über den laut Verkehrszählung des Landes täglich rund 8700 Fahrzeuge rollen. „Das freut viele Leute natürlich nicht besonders. Uns aber auch nicht“, sagt Projektleiter Roland Ladner vom Straßenbauamt des Landes. Allerdings gebe es dazu keine Alternative.

Die Maldonerbachbrücke befindet sich in der Linkskurve, die rund 300 Meter nach der Abzweigung Richtung Müselbach folgt. Sie wurde Mitte der 1970er-Jahre errichtet und steht in einem extrem rutschgefährdeten Hangabschnitt, wie Ladner erläutert. „1984 wurden schon Verankerungen gesetzt. Seit 2012 ist die Brücke aber wieder 18 Zentimeter gerutscht“, präzisiert der Experte und deutet auf die Risse in der Straße und am Geländer. Um das Ganze dauerhaft zu sichern, sei beschlossen worden, die Straße in den Hang hinein zu verlegen und die Brücke in verkleinerter Form neu zu errichten. Zur Sicherung der Straße muss zudem eine rund fünfzig Meter lange Bohrpfahlwand gebaut werden. Die Gesamtbaukosten dürften sich auf rund 4,5 Millionen Euro belaufen.

2200 Lkw-Fuhren

Das Projekt ist in zwei Bauabschnitte gegliedert. Maschinen haben in den vergangenen Monaten bereits 26.000 Kubikmeter Erdreich abgetragen. Das entspricht umgerechnet rund 2200 Lastwagenfuhren. Danach wurde der Hang gesichert. „Das Problem ist, dass wir es hier mit Mergel-Sandstein-Schichten zu tun haben“, sagt Ladner und zerbröselt Gestein zwischen seinen Fingern, um das Szenario zu verdeutlichen. Damit der Hang nicht mehr rutscht, seien bis zu 25 Meter lange Ankerbalken gesetzt worden. Ein Anblick, der im ersten Moment irgendwie an Lawinenverbauungen erinnert. „Die Brücke selbst ist nicht spektakulär, aber die Örtlichkeit“, meint der Projektleiter.

Rutschgefährdet

Derzeit laufen bei der Baustelle die Vorbereitungen für die Arbeiten, die während der Totalsperre anstehen. Es werde auch schon die neue, kleinere Maldonerbachbrücke errichtet, um den Zeitraum für die kritische Bauphase im Sommer zu minimieren. Damit kommt Ladner auf das eigentliche Problem zu sprechen. „Während der geplanten Totalsperre gibt es im Rutschbereich keine Sicherung des Straßenabschnitts mehr, da die derzeit noch tragenden Vorspannanker der Brücke vollständig durchtrennt werden müssen. Es wird sicher etwas in Bewegung geraten. Wir wissen nur nicht genau was. Es könnte ein ganzer Abschnitt mitgerissen werden.“ Daher müsse die Straße neun Wochen lang gesperrt werden. „Wir können auch keine provisorische talseitige Umfahrung errichten, da der Hangbereich äußerst rutschgefährdet ist und nicht zusätzlich belastet werden darf“, sagt Ladner. Er muss daher dem Wunsch von besorgten Bregenzerwäldern nach einer einspurigen Lösung mit Ampelregelung oder einer „Notstraße“ eine Absage erteilen. Da der Verkehr in Müselbach während der Totalsperre über Lingenau und Egg-Großdorf (L 205 und L 29) umgeleitet wird, werden Staus und ein Verkehrschaos befürchtet.

Staus zu Spitzenzeiten

Damit alles so entspannt wie möglich ablaufen kann, habe man den Termin auf die Sommerferien gelegt, sagt Ladner. Zu Spitzenzeiten sei aber trotzdem mit Staus zu rechnen. Neben der L 29 und der L 205 stehe auch die Bödelestraße (L 48) als Ausweichroute zur Verfügung. „Es ist geplant, dass geschultes Personal den Verkehr an den Engstellen in Schwarzenberg und Egg-Großdorf lotst. An der Kreuzung in Lingenau ist zudem eine Ampelanlage geplant.“ Die Verkehrsabwicklung werde laufend beobachtet und notfalls weitere Maßnahmen gesetzt. Die letzte größere Totalsperre in dem Bereich gab es 2001. Der Verkehr wurde drei Wochen lang über Egg-Großdorf umgeleitet. „Damals hat alles gut geklappt“, sagt Ladner. Läuft alles glatt, ist die Sperre am 9. September wieder Geschichte. Bis Ende November stehen noch Restarbeiten an.

„Die Maldonerbachbrücke selbst ist nicht so spektakulär, aber die Örtlichkeit.“