Hitler-Wein im Hauseingang

15.05.2018 • 20:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

31-Jähriger wegen Wiederbetätigung zu sechs Monaten Haft verurteilt.

Feldkirch. Zehn Vorstrafen hat der 31-jährige Oberländer bereits. 2012 wurde er sogar nach dem Verbotsgesetz verurteilt. Damals waren einige Tätowierungen Ursache für den Schuldspruch und insgesamt 20 Monate Haft. Mehr als zehn Monate hat der Mann damals gesessen.

Im aktuellen Prozess am Landesgericht Feldkirch geht es um vier Flaschen Wein mit Hitleretikett im Hausgang auf einem Schrank.

Routinemäßige Argumente

Und um Ausführungen, wie sie beinahe routinemäßig derartige Prozesse begleiten: von „längst distanziert“ und „heute sehe ich alles anders“ ist die Rede. Die acht Geschworenen sehen den Verstoß gegen das Verbotsgesetz verwirklicht und sprechen den Mann einstimmig schuldig. Als Strafe werden sechs Monate Gefängnis ausgemessen. Der Oberländer räumt ein, dass er einst mit der rechten Szene etwas anfangen konnte. Doch schon als Hauptschüler habe er sich dann distanziert und gesehen, dass es auch nette Ausländer gibt, dass Gewalt und Vorurteile nichts bringen. „Damals stand mein Mandant von seiner Gesinnung her rechts, heute ist er mäßig links“, sagt die Verteidigung. Die Flaschen mit dem Hitleretikett hat der Angeklagte angeblich aus Italien, vor rund zehn Jahren habe er sie in dem dunklen Gang auf den hohen Schrank gestellt, danach vergessen und nicht mehr beachtet, so die Behauptung des Beschuldigten. Teils seien sie gekauft, teils geschenkt. Seine Mutter hätte ihn zwar darauf angesprochen und gewünscht, dass er die vier Flaschen entfernen solle, doch er habe es immer wieder vergessen.

„Die Flaschen wurden neben einem Kampfhelm im Eingangsbereich gruppiert, jeder konnte sie dort gut sehen“, kontert hingegen Staatsanwältin Konstanze Manhart. Für sie ist klar, dass es kein Zufall war, dass der Hitlerwein mit der Aufschrift „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ und „Anhängerschaft von Hitler“ im Hauseingang positioniert wurde. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC