Stammzellenspende mit „Hangover“

Vorarlberg / 15.05.2018 • 18:09 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bei seinem Besuch in der VN-Redaktion schilderte Ahmet Yarar, wie er zum Stammzellenspender und somit zum Lebensretter geworden ist.  VN/hrj
Bei seinem Besuch in der VN-Redaktion schilderte Ahmet Yarar, wie er zum Stammzellenspender und somit zum Lebensretter geworden ist.  VN/hrj

Ahmet Yarar ist der 61. Lebensretter von „Geben für Leben“.

Heidi Rinke-Jarosch

SCHWARZACH Er hat einen Horror vor Injektionsnadeln. Trotzdem ließ sich der 19-jährige Ahmet Yarar in die Armvene stechen und Blut abnehmen, um sich als möglicher Stammzellenspender typisieren zu lassen. Das war im Mai letzten Jahres auf der türkischen AIF-Kultur- und Buchmesse in der Messehalle in Dornbirn. „Geben für Leben“ hatte dort eine Typisierungsaktion organisiert. Der 1998 gegründete Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, an Leukämie erkrankten Menschen eine Chance auf Überleben zu geben. So ist das Team um Obfrau Susanne Marosch ununterbrochen auf der Suche nach Lebensrettern, die ihre gesunden Stammzellen spenden. Bislang wurden insgesamt 52.774 Typisierungen durchgeführt und 65 Stammzellenspender gefunden. Spender Nummer 61 ist Ahmet Yarar.

Ahmet wurde 1998 in der Türkei geboren. In Vorarlberg lebt der Sohn eines türkischen Gastarbeiters seit dem Jahr 2000. Er absolvierte eine Lehre als Betriebslogistikkaufmann in einem Möbelhaus, zurzeit ist er in der Produktion einer Verpackungsfirma in Frastanz beschäftigt.

Wie wurde der 19-jährige Ahmet Yarar zum Stammzellenspender? „Ich war mit zwei Freunden auf der AIF-Buchmesse“, erzählt er den VN. Während er durch die Halle schlenderte, sei Selen Düz – eine Mitarbeiterin von „Geben für Leben‘“– auf ihn zugegangen und habe ihn gefragt, ob er für eine Typisierung Blut spenden möchte. „Eigentlich wollte ich das überhaupt nicht, weil ich ja eine Riesenangst vor Spritzen habe“, gesteht der junge Mann. „Selen aber redete mir zu. Das schaffst du schon, sagte sie. Das geht ganz schnell und tut überhaupt nicht weh.“ Er überwand seine Angst und entschied sich zur Blutabnahme.

Sieben Monate vergingen. Im Dezember kam der Anruf von „Geben für Leben“. Ahmet Yarar wurde mitgeteilt, dass er als Stammzellenspender infrage kommt und Leben retten könnte. Die Frage, ob er für eine Spende bereit sei, habe er ohne zu zögern mit Ja beantwortet. Besorgt reagierten hingegen seine Eltern. Doch nach einem klärenden Gespräch mit den „Geben für Leben“-Mitarbeiterinnen Selen Düz und Cemanur Kartal waren alle Bedenken aus dem Weg geräumt. „Mittlerweile sind mein Vater und meine Mutter stolz auf mich“, sagt Ahmet, und seine Augen leuchten.

Am 3. April dieses Jahres war es so weit. Begleitet von seinem Freund Eres fuhr Ahmet Yarar am Vortag nach Gauteng bei München zur Stiftung AKB (Aktion Knochenmarkspende Bayern), die deutsche Partnerorganisation von „Geben für Leben“. Von den ausführlichen Voruntersuchungen her kannte er bereits das Team, das ihn auf die Stammzellenentnahme vorbereitet und „wirklich super betreut“ hat.

Zweieinhalb Stunden

Um 9 Uhr morgens wurde er an das Gerät angeschlossen, das die Stammzellen aus dem Blut des Spenders herausfiltert. Die zweieinhalbstündige Prozedur, die schmerzlos war und keine Nebenwirkungen hatte, sei rasch vergangen, „weil ich mir dabei den DVD-Film ‚Hangover‘ angeschaut habe“. Diese unterhaltsame US-Filmkomödie habe übrigens sein Freund Eren ausgesucht.

Am gleichen Tag noch fuhren Ahmet und Eren wieder heim. Das Auto lenkte Ahmet, „und zwar die ganze Strecke, von München bis Frastanz. Mir ist es nämlich sehr gut gegangen“, betont er.

Über den Menschen, der seine Stammzellen bekommen hat, weiß Ahmet Yarar nur, dass es sich um eine an Leukämie erkrankte Frau in Argentinien handelt. Ihr und ihrer Familie hat der junge Mann mit seinem persönlichen Einsatz Hoffnung auf Überleben geschenkt.

Neulich wurde Ahmet zu einer Typisierungsaktion im Messepark Dornbirn eingeladen, um über seine Erfahrungen als Stammzellenspender zu berichten. „Danach wurde ich von wildfremden Menschen umarmt. Das hat mich sehr berührt.“ Sollte er wieder gefragt werden, Stammzellen zu spenden, „mache ich das sofort wieder. Jederzeit“.

„Danach wurde ich von wildfremden Menschen umarmt. Das hat mich sehr berührt.“

Die Prozedur der Stammzellenentnahme dauerte zweieinhalb Stunden und verlief schmerzlos und ohne Nebenwirkungen. eren
Die Prozedur der Stammzellenentnahme dauerte zweieinhalb Stunden und verlief schmerzlos und ohne Nebenwirkungen. eren

Konto „Geben für Leben“ – Leukämiehilfe Österreich, Sparkasse Bludenz Bank AG

IBAN:AT39 2060 7001 0006 4898, BIC: SSBLAT21XXX