100.000 Mal zu viel gefordert

Vorarlberg / 07.06.2018 • 22:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wer in ein Schweizer Netz gerät, kann von heimischen Mobilfunkbetreibern mit hohen Rechnungen überrascht werden. Doch es gibt Mittel dagegen.
Wer in ein Schweizer Netz gerät, kann von heimischen Mobilfunkbetreibern mit hohen Rechnungen überrascht werden. Doch es gibt Mittel dagegen.

Mahnklage gegen Netzbetreiber wegen wucherischer Roaming-Gebühren.

Schwarzach Keineswegs zum ersten Mal wurde der österreichische Mobilfunkanbieter T-Mobile gerichtlich zur Kasse gebeten, nachdem er zunächst selbst mit einer unerhörten Telefonrechnung bei einer Vorarlberger Kundin versucht hatte, Geld zu kassieren, und zwar skandalös viel Geld.

Versehentlich im Schweizer Netz

Weil ihre Tochter in Lustenau bei einem Telefonat versehentlich in ein Schweizer Netz geraten war, wurde ihr vom heimischen Netzbetreiber der exorbitant hohe Betrag von  940,47 Euro verrechnet. Begründung waren die angeblich hohen Roaming-Gebühren seitens des Schweizer Nicht-EWR-Netzes.

Die Vorarlbergerin klagte, ihr Vertreter Rechtsanwalt Helgar Schneider (54) traf ins Schwarze: Mit der Begründung, dass der österreichische Mobilfunkbetreiber der Vorarlberger Kundin ungerechtfertigt einen Aufschlag von 100.000 Prozent (!) pro verbrauchtem MB einforderte. Das Gericht folgte Schneiders Argumenten, T-Mobile erhob keinen Einspruch gegen die gerichtliche Mahnklage und erstattete den Betrag von 940,47 Euro samt Zinsen an die geprellte Kundin zurück (die VN berichteten).

Doch das schmerzliche Beispiel fruchtete beim Netzbetreiber offenbar nicht. Denn nur kurz danach flatterte einem Kleinunternehmer mit Sitz im Vorarlberger Rheintal eine Telefonrechnung von unglaublichen 19.781,45 Euro brutto ins Haus, weil ein Mitarbeiter des Betriebs bei einem Telefonat in der Schweiz ein mit derselben Telekom-GmbH vereinbartes Datenpaket um nur 1,4 GB überschritten hatte. Wieder stieg Schneider auf die Barrikaden, und einmal mehr mit Erfolg, erneut auch mit denselben Argumenten: „Obwohl T-Mobile ihrem Schweizer Roamingpartner nur 0,01 Euro pro MB bezahlt, stellte sie für die Dienstleistung der Abrechnung dieser Fremdleistung ihrem Kunden eine Marge in der Höhe von 100.000 Prozent dazu und das ist wucherisch!“

Lächerliches Kulanzangebot

Damit konfrontiert, machte der Netzbetreiber dem betroffenen Kunden das „Kulanzangebot“, eine Gutschrift von 30 Prozent des eingeforderten Betrags zu gewähren, für den Kunden wie auch für seinen Bregenzer Rechtsanwalt ein geradezu lächerliches, indiskutables Angebot. So sah es schließlich auch das Bezirksgericht für Handelssachen in Wien. Unter anderem mit der Begründung, dass die Beklagte (T-Mobile) in schwerwiegender Weise die nebenvertraglichen Schutz- und Sorgfaltspflichten gegenüber der Klägerin verletzt habe. Der Netzbetreiber wurde vom Gericht per bedingtem Zahlungsbefehl zur Rückzahlung von immerhin 16.187,27 Euro an den Vorarlberger Betrieb verdonnert und erhob seinerseits keinen Einspruch dagegen.

Für Schneider bezeichnend: „Es ist nun so gekommen, wie es ständig vorkommt: Die Firma T-Mobile Austria GmbH scheut einen Prozess, in dem solche Machenschaften aufgedeckt werden, und hat keinen Einspruch gegen die Mahnklage erhoben.“

Sich wehren ist wichtig

Der Bregenzer Rechtsanwalt geht seit Jahren für abgezockte Kunden, die Opfer solcher Rechnungen werden, erfolgreich vor Gericht, denn: „Es hat sich wieder gezeigt: Wer sich gegen diese Unverschämtheiten der Telekom-Branche wehrt, kommt zu seinem Recht. Diejenigen, die sich mit einer vermeintlichen Kulanz abspeisen lassen, sind die Dummen.“

„T-Mobile scheut einen Prozess, in dem solche Machenschaften aufgedeckt werden.“