Der Jäger als Naturraummanager

Vorarlberg / 08.06.2018 • 18:54 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christof Germann, Ferdinand Gorton und Klaus Schachenhofer (v.l.) beschreiben die heutige Rolle des Jägers. VN/Hartinger
Christof Germann, Ferdinand Gorton und Klaus Schachenhofer (v.l.) beschreiben die heutige Rolle des Jägers. VN/Hartinger

Das Rollenbild des heutigen Waidmanns hat sich geändert, die Aufgaben zum Teil auch.

Schwarzach Man sollte heutzutage nicht mehr nur vom Waidmann reden. „Die Jägerschaft wird immer weiblicher“, freuen sich Landesjägermeister Christof Germann (56) und der aktuelle Sprecher der österreichischen Jäger, Ferdinand Gorton (65), anlässlich eines VN-Gesprächs. Bestes Beispiel dafür in Vorarlberg: 30 Prozent der angemeldeten Teilnehmer für die Jagdscheinkurse im Mai (100 Kandidaten) und im November (140 Kandidaten) sind Frauen. „Das Interesse bei den Kursteilnehmern geht weit über das bloße Jagen hinaus“, betont Gorton. Klaus Schachenhofer (40), Leiter der Forstfachschule Waidhofen/Ybbs, weiß: „30 Prozent der erfolgreichen Jagdprüfungsabsolventen werden keine Jäger. Es ist der Wunsch nach einem generellen Naturverständnis, der viele zu den Kursen zieht.“

Der Jäger von heute sei sehr viel besser ausgebildet als jener von früher, Kenntnisse über den Zusammenhang von Lebensraum und Wild seien heute unerlässlich, betont Gorton.

Das Jagen, darin sind sich die Experten einig, ist kein billiges Vergnügen. Bei über 3000 Euro liegen die Kosten für eine Mindestausstattung, Aufwendungen für das Jagen selbst noch nicht eingerechnet. „Aber da gibt es bei uns auch sogenannte Erlaubnisscheine. Das heißt: Jagdpächter ermöglichen Jungjägern die Jagd in ihrem Gebiet. Diese helfen dafür bei Revierarbeiten.“

Wald und Jagd

Im leidigen Interessenkonflikt zwischen Waldschützern und Jägerschaft orten die Waidmänner Fortschritte. „Seit 2002 gibt es den Forst-Wild-Dialog auf höchstem Level. Viele Jäger sind auch Förster. Die gegenseitigen Anschuldigungen von früher haben aufgehört“, beschreibt Gorton die bundesweite Situation. Christof Germann wünscht sich eine objektive, allgemein anerkannte Erhebung des Wildbestands. „Diesen festzustellen, ist nämlich sehr schwierig“, sagt Gernot Heigl, Geschäftsführer der Vorarlberger Jägerschaft.

Für Ferdinand Gorton liegt das Kriterium zur Beurteilung des Wildbestands bei den festgestellten Waldschäden. Wobei er die Haupt­ursache für Schalschäden und Wildverbiss nicht vorrangig in der Zahl der in einem Gebiet lebenden Wildtiere sieht, sondern im Nervositätsgrad des Wildes. „Wild verursacht Schäden häufig nur dann, wenn es nervös ist, also keine Ruhe findet. Diese Ruhe wird durch verschiedene Waldnutzer immer wieder gestört. Wir müssen den Tieren Ruhezonen bewahren.“

Problem Wolf

Während im Gegensatz zu Vorarlberg die TBC-Problematik in den meisten anderen Bundesländern kaum eine Rolle spielt, eint die Sorge um die Ausbreitung des Wolfs die Jägerschaft bundesweit. „Die Frage wird sein: Wie integrierbar ist der Wolf bei uns? Wo ist er integrierbar? Die Erfahrungen, die man derzeit etwa in Niederösterreich macht, sind ernüchternd. Dort ist der Wolf ein echtes Problem geworden“, erzählt der österreichische Jägersprecher. Der Wolf sei ein politisches Tier geworden. „Ganz sicher ist: Es lässt sich nicht alles einzäunen, und große Herdenhunde, die auch gegen Menschen aggressiv sein können, sind ebenfalls keine Lösung. Wir müssen im Notfall Entnahmen vornehmen dürfen, sprich Wölfe schießen“, hat Gorton eine klare Meinung zu diesem Thema. VN-HK