Eigentum schier unerschwinglich

Vorarlberg / 10.06.2018 • 20:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Eigentum schier unerschwinglich

Wohnbauforscher Amann warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft.

SCHWARZACH „In Vorarlberg ist eine Spaltung im Gang“, stellt Wolfgang Amann, Geschäftsführer des Instituts für Immobilien, Bauen und Wohnen fest: „Den Wunsch nach einem Eigenheim können sich zunehmend nur noch diejenigen erfüllen, die entsprechend geerbt haben. Mit einem normalen Einkommen ist das nicht mehr möglich.“

Die jüngsten Werte, die die Statistik Austria veröffentlicht hat, betrachtet der gebürtige Koblacher als Bestätigung: Im vergangenen Jahr sind die durchschnittlichen Grundstücks-, Häuser- und Wohnungspreise um bis zu 21 Prozent gestiegen. Außerhalb Wiens waren nicht nur Grundstücke mit 374 Euro pro Quadratmeter nirgends so teuer wie hierzulande, sondern auch Häuser mit 3750 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche und Eigentumswohnungen (3469 Euro).

Nachfrage ist gestiegen

Für die Preissteigerungen gibt es viele Gründe. Amann verweist darauf, dass ein größerer Teil der Bevölkerung „kapitalstark ist und natürlich auch viele Unternehmen etwas zu veranlagen haben“: Aufgrund der niedrigen Zinsen sei der Immobiliensektor umso interessanter für diese Gruppen geworden. Michael Klien vom Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO erinnert daran, dass mit dem Bevölkerungswachstum auch die Zahl der Haushalte sehr stark zugenommen hat. In Summe ist die Nachfrage damit größer geworden als das Angebot. Das macht dieses entsprechend teurer.

Wie schwierig es für jemanden, der nicht geerbt hat, geworden ist, zu Eigentum zu kommen, lässt sich durch eine Verknüpfung von Statistik-Austria-Daten erahnen: Das durchschnittliche Arbeitnehmereinkommen beträgt in Vorarlberg 2166 Euro netto pro Monat. Für einen Quadratmeter Eigentumswohnung muss man so gesehen 1,6 Monate Geld verdienen, unter der sehr theoretischen Annahme, dass man es zur Gänze dafür einsetzen kann; sonst ist entsprechend mehr Zeit nötig. Zum Vergleich: Im Burgenland sind gerade einmal 0,6 Monate erforderlich, im bundesweiten Schnitt handelt es sich um 1,3. Bei Häusern sind die Verhältnisse ähnlich, Vorarlberger müssen für die gleiche Fläche länger arbeiten.

Wohnbauforscher Klien macht jedoch ein bisschen Hoffnung: „Ich rechne damit, dass sich die Immobilienpreise in den nächsten Jahren stabilisieren. Das Bevölkerungswachstum geht zurück und die Zahlungsmöglichkeiten der privaten Haushalte reichen auch nicht ins Unendliche.“

Schritt in richtige Richtung

Wolfgang Amann dämpft die Erwartungen: Seines Erachtens ist es entscheidend, dass das verhängnisvoll niedrige Zinsniveau deutlich über die Inflationsrate steigt und dass politische Schritte gesetzt werden, damit zumindest die vorhandenen Grundflächen vermehrt dafür verwendet werden, wozu sie vorgesehen sind: nämlich zum Bauen. Das jedoch sei ein sehr heikles Thema, wie er im VN-Gespräch ausführt: „Dass neue Widmungen nur noch befristet gelten sollen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Das Problem ist aber das bereits gewidmete Bauland, das nicht bebaut ist. In Vorarlberg ist der Anteil sehr hoch. In Bregenz handelt es sich um 32, in Dornbirn um 31, in Feldkirch um 36 und in Bludenz um 35 Prozent. Österreichweit sind es 27 Prozent. Nicht, dass ich einer Vergemeinschaftung das Wort reden will. Aber der Umgang mit diesen Flächen muss breit diskutiert werden, wenn man verhindern will, dass das durchschnittliche Baugrundstück irgendwann 1000 Euro pro Quadratmeter kostet.“ JOH

„Den Eigenheimwunsch kann sich nur der erfüllen, der entsprechend geerbt hat.“

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