Franz Mähr abermals im Fadenkreuz der Post AG

19.02.2019 • 11:17 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Stand am Sozialgericht Rede und Antwort:  Postpersonalvertreter Franz Mähr. VOL
Stand am Sozialgericht Rede und Antwort: Postpersonalvertreter Franz Mähr. VOL

Vorarlbergs Postgewerkschafter stand wegen Mobbing-Vorwurf vor Gericht. Urteil wird schriftlich zugestellt.

Feldkirch Dass in Unternehmen Chefetage und Betriebsrat nicht immer der gleichen Meinung sind, liegt in der Natur der Sache. Bei der gelben Post ist dies in Vorarlberg seit Jahren der Fall. Bereits vor zwei Jahren hatte die Post AG Franz Mähr als obersten Postpersonalvertreter im Land mit einer Klage vor das Arbeits- und Sozialgericht zitiert. Waren es damals noch Missstände bei der Postzustellung im Land, die Mähr in den VN kundgetan hatte, so sind es diesmal Mobbing-Vorwürfe, die die Postchefs zum Anlass nehmen, um gegen Mähr disziplinarrechtlich vorgehen zu können. Um aber gegen den als aufmüpfig bekannten Mähr überhaupt rechtliche Schritte einleiten zu können, muss seine Immunität als Gewerkschafter aufgehoben werden. Deshalb trafen sich die Streitparteien vor dem Arbeits- und Sozialgericht in Feldkirch bei Richterin Manuela Schwarz.

Massive Vorwürfe gegen Mäh

Miriam Mitschka brachte als Anwältin der Post AG die Vorwürfe gegen Mähr vor. Mähr habe die Teamleiterin in der Zustellbasis in Bludenz „durch unqualifizierte Unterstellungen und falsche Anschuldigungen in einem Offenen Brief diffamiert und die Koordinatorin in ihrer Persönlichkeit und menschlichen Würde zutiefst verletzt“, heißt es in der Anzeige. Der Brief lasse jede Mindestanforderung an Achtung und Anstand vermissen und bewege sich „im Rahmen des strafbaren Tatbestandes der üblen Nachrede“. Mähr weist die Vorwürfe freilich kategorisch zurück. „Dieser Mobbing-Vorwurf ist haltlos. Ich habe, wenn auch mit harten Worten, ausschließlich im Sinne der Mitarbeiter gesprochen und ich bleibe ihr Sprachrohr. Die Post versucht abermals mich mit einer Klage mit mundtot machen zu können.“ Er blicke dem Urteil jedenfalls mit Gelassenheit entgegen, sagt Mähr, der übrigens im September des Vorjahres bei einer Personalvertreterwahl von 76 Prozent der Postmitarbeiter im Land in seiner Funktion bestätigt wurde.

Mährs Anwalt gibt sich optimistisch

„Die Mobbing-Vorwürfe gegen mich sind haltlos. Ich bin das Sprachrohr der Mitarbeiter und habe in ihrem Sinne gesprochen.“

Franz Mähr, Postpersonalvertreter

Auch Mährs Anwalt gibt sich optimistisch. „Diese Runde gewinnen wir“, meint Sanjay Doshi. Rückblickend betrachtet, so der Rechtsvertreter aus Feldkirch, habe Mähr auch das bereits zwei Jahre zurückliegende Gerichtsverfahren, das die Post AG gegen ihn eingeleitet und schlussendlich ruhend gestellt hatte, gewonnen. „Mähr kann all das weiterhin öffentlich behaupten was ihm die Post AG mit ihrer damaligen Unterlassungsklage untersagen wollte.“ Doshi geht jedenfalls davon aus, dass Franz Mähr seine Immunität als Personalvertreter weiterhin behalten wird können.

Falls die Immunität aufgehoben wird, könnten Franz Mähr harte Konsequenzen ins Haus stehen. Diese reichen von einer Verwarnung über eine saftige Geldstrafe bis hin zur Höchststrafe, nämlich der Entlassung aus dem Postdienst.

AK-Auer mit scharfer Kritik an Post AG

AK-Vizepräsidentin Manuela Auer zeigt sich empört: „Anstatt sich um die Probleme im Betrieb zu kümmern, geht die Post weiter auf engagierte Arbeitnehmervertreter los, die sich für bessere Rahmenbedingungen für die Beschäftigten und eine funktionierende Postzustellung einsetzen.“ Aus Auers Sicht „ist ein Skandal, wie die Post AG versucht, Franz Mähr mundtot zu machen.“ Unterdessen würden die Mitarbeiter der Post in Vorarlberg noch immer unter hoher Belastung leiden. „Das Postmanagement wäre gut beraten, endlich nachhaltige Lösungen für die Personal- und Zustellprobleme zu finden, bevor das System einmal mehr kollabiert.“