Islam will zurück aufs Zeugnisformular

Vorarlberg / 19.02.2019 • 16:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Unmut gegen „IGGÖ“ als Angabe für religiöses Bekenntnis wächst auch unter Vorarlberger Muslimen.

Bregenz Bei der letzten Zeugnisverteilung ging’s noch harmonischer zu. Damals hieß es bei den persönlichen Angaben zu muslimischen Schülern im Zusammenhang mit deren religiösem Bekenntnis noch „Islam“. Damit ist es vorläufig vorbei. Jetzt wird bei sunnitischen Schülern auf der Semesterschulnachricht als religiöses Bekenntnis „IGGÖ“ vermerkt. Der Kürzel IGGÖ steht für Islamische Glaubensgemeinschaft Österreich. Die Bezeichnungsänderung wurde vom Bildungsministerium allen österreichischen Schulen vorgeschrieben. Der Protest von muslimischen Schülern und vor allem deren Eltern nimmt indes zu.

Einheitliche Protestformulare

„Uns und andere Schulen haben einheitliche Protestschreiben erreicht, in denen diese Maßnahme kritisiert und die Rückkehr zur Bezeichnung ‚Islam‘ als Religionsbekenntnis gefordert wird“, berichtet Christian Höpperger (49), Direktor der Neuen Mittelschule Mittelweiherburg in Hard. „Unmittelbar darauf kam es bereits zu Protesten, worauf die Maßnahme zuerst zurückgenommen wurde, um tags darauf doch wieder bestätigt zu werden“, ergänzt Höpperger. An seiner Schule mit ihren 220 Schülern sind fast 90 mit islamischem Glauben. „Zehn Prozent von diesen haben gegen IGGÖ als Bezeichnis für Religionsbekenntnis ihren Widerstand kundgetan.“

Höpperger kann den Unmut nachvollziehen. „Ich verstehe es nicht, wenn durch solche Maßnahmen ein unnötiger Konflikt und religiöse Spaltungen in die Schule hineingetragen werden. Das ist nicht im Sinne von Integrationsbemühungen“, erlaubt sich der Schulleiter eine persönliche Meinung.

Der Leitfaden

Keine Freude mit der vom Ministerium verordneten Religionsbezeichnung hat naturgemäß auch Islam-Lehrer Selim Kavas. Der 36-jährige unterrichtet islamische Religion an mehreren höheren Schulen. „Es kommen natürlich mehrere Eltern und Schüler auf mich zu, welche diese Maßnahme empört“, berichtet Kavas. Auch er findet: „Wir brauchen doch nicht noch mehr Probleme.“ Wie mit der jetzigen Situation umgegangen werde, sei die Sache der IGGÖ. Tatsächlich hat die Islamische Glaubensgemeinschaft auf ihrer Homepage einen „Leitfaden“ veröffentlicht, in dem protestierende Eltern Anleitungen für Widerstandsaktivitäten erhalten. Die empfohlenen Maßnahmen reichen von einem „schriftlichen Widerspruch“ an der jeweiligen Schule bis hin zur Beiziehung eines Rechtsanwaltes, der in dieser Angelegenheit den Verfassungsgerichtshof bemühen möge.

Verhandlungen

Der Unmut über die Anordnung des Bildungsministeriums zum Religionsbekenntnis hat auch die Vorarlberger Bildungsdirektion erreicht. „Wobei die Intensität des Protests und auch die Zahl der Protestierenden zwischen höheren Schulen und Pflichtschulen divergiert“, betont der pädagogische Leiter der Bildungsdirektion, Andreas Kappaurer (57). „Bei den Eltern von Volks- und Mittelschülern ist der Widerstand viel ausgeprägter als an höheren Schulen. In diesem Bereich habe ich bis jetzt nur zwei Protestnoten wahrgenommen“, führt Kappaurer aus. Man werde nun alle Kritikschreiben sammeln, um sich einen Überblick über den Unmut zu verschaffen.

Ob auch in den Schlusszeugnissen im Sommer IGGÖ als religiöses Bekenntnis bei muslimischen Schülern angegeben werden muss, ist noch nicht fix. Die Islamische Glaubensgemeinschaft versucht in intensiven Verhandlungen mit den verantwortlichen Stellen im Bund, diese Maßnahme wieder zum Verschwinden zu bringen.

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