Familienvater Dietmar Dorn meistert sein Schicksal im Rollstuhl

20.02.2019 • 11:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 Heute ist Dietmar Dorn Unternehmer und stolzer Familienvater. Seine  Frau Janine und seine Söhne Benedikt und Tobias gehen ihm über alles.     VN/Steurer

Heute ist Dietmar Dorn Unternehmer und stolzer Familienvater. Seine Frau Janine und seine Söhne Benedikt und Tobias gehen ihm über alles.    VN/Steurer

Ein Verkehrsunfall brachte Dietmar Dorn in den Rollstuhl. Er nahm sein Schicksal an und sein Leben in die Hand.

Dornbirn. Dietmar Dorn (39) ist ein Mensch, der sich gerne beweist und Herausforderungen sucht. In jungen Jahren zieht es den gebürtigen Riefensberger und gelernten Elektroinstallateur ins Ausland. Als Montagearbeiter lernt er China, Malaysia und Taiwan kennen. Später arbeitet er mit Freude bei einer großen, international tätigen Firma in Wolfurt. „Ich habe Anlagen elektrifiziert.“

Weil seine Freunde Motorrad fahren, kauft auch er sich eines. Einige Monate später, im Mai 2003, verunglückt er mit dem Bike. „Die Straße war regennass. Ich bin ihn die Leitplanken geprallt.“ Nach dem Unfall ist er mehr tot als lebendig. „Meine Lunge war schwer verletzt und mein Rücken gebrochen.“ Drei Monate verbringt er im Spital und vier Monate im Reha-Zentrum in Bad Häring.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“

Zunächst glaubt er noch daran, dass er irgendwann wieder gehen wird können. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Doch ein Arzt in Bad Häring redet mit ihm Klartext. „Er sagte, dass ich mein ganzes Leben auf den Rollstuhl angewiesen sein würde.“ Diese Aussage katapultiert Dorn in ein tiefes Loch. „Ich brauchte ein Jahr, um mich mit meinem Schicksal abzufinden.“ Erst nach langem Kampf kehrt wieder Normalität in sein Leben ein. Das kostet ihn viel Kraft. Aber: „Es gab Menschen, die mich unterstützten.“

Vor allem dem Rollstuhlclub Enjo verdankt er viel. „Durch den Club habe ich nicht nur Gleichgesinnte gefunden, sondern bin auch zum Sport gekommen.“ Als er im Jahr 2004 seinen ersten Monoski-Kurs am Gletscher macht, ist das der Startschuss für eine bemerkenswerte Ski-Karriere. Dorn fährt zunächst im Austria-Cup mit, später bestreitet der österreichische Meister im Skifahren auch Europa- und Weltcup-Rennen. Und das mit Erfolg. Ein zweiter Platz ist sein bestes Ergebnis bei einem Weltcup-Rennen. Sogar bei der Weltmeisterschaft mischt er vorne mit. Er wird Dritter im Slalom.

„Die Querschnittslähmung war ein brutaler Schicksalsschlag. Aber sie war auch eine neue Chance.“

Dietmar Dorn
Unfallopfer

„Der Sport hat mir so viel gegeben“, schwärmt Dorn. Er bereut keine Sekunde, dass er das Skifahren neun Jahre lang wettkampfmäßig betrieben hat. Denn dem Sport verdankte er seine körperliche Fitness, die dem Rollstuhlfahrer den Alltag erleichterte. Außerdem: „Ich durfte die Welt bereisen und viele interessante Menschen kennenlernen.“ Wenn er heute zurückblickt, muss er sich eingestehen: „Die Querschnittslähmung war ein brutaler Schicksalsschlag. Aber sie war auch eine neue Chance. Sonst hätte ich das alles nicht erlebt als Sportler.“

Auch beruflich gingen für ihn neue Türen auf. Um weiterzukommen, machte der Zollbeamte zunächst die Berufsreifeprüfung nach. Dann, vor zwei Jahren, wurde er sein eigener Chef. Dorn eröffnete eine Trafik im Zentrum von Meiningen. „Man wächst an den Herausforderungen“, meint der Unternehmer, der im Moment wunschlos glücklich ist. Und das hat auch viel mit seiner Familie zu tun. Sie ist das größte Geschenk, das ihm das Leben machte.

„Ich sah den Menschen“

Vor zehn Jahren lernte er Janine, seine jetzige Frau kennen. Sie schenkte ihm zwei Söhne: Benedikt (5) und Tobias (3). Janine (36) verliebte sich auf Anhieb in ihn. „Er hat mich mitgerissen mit seiner kraftvollen Energie.“ Dass er gehandicapt ist, nahm sie bloß am Rande wahr. „Ich sah den Menschen Dietmar. Der Rollstuhl war mir egal.“ Das größte Kompliment machte er ihr, als er sich von ihr ein zweites Kind wünschte und ihr mitteilte, dass er dann mit dem Sport aufhören würde. Janine würde ihren Dietmar jederzeit wieder heiraten. Denn: „Wenn er mich umarmt, habe ich das Gefühl, dass die Welt in Ordnung ist.“ Die zweifache Mutter hat ihren Mann noch nie schimpfen gehört wegen seiner Behinderung, obwohl für ihn im Alltag vieles leichter wäre ohne den Rollstuhl. „Er jammert nur, wenn an der Decke etwas zu reparieren ist. Dann ärgert er sich, dass er es nicht machen kann.“