Gehirnerschütterung nach Disko-Schlägerei in Röthis

Vorarlberg / 20.02.2019 • 22:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Hauptangeklagte wollte im Streit laut seiner eigenen Aussage nur "schlichten, nicht schlägern".
Der Hauptangeklagte wollte im Streit laut seiner eigenen Aussage nur „schlichten, nicht schlägern“.

19-jähriger Hauptangeklagter spricht vor Gericht nur von „Schupferei“ und seiner Schuldlosigkeit.

Feldkirch Ein Faustschlag gegen das Gesicht, ein Sturz, der Kopf prallt gegen die Türkante, und dann noch Fußtritte. Das 19-jährige Opfer erleidet eine Platzwunde am Kopf und eine schwere Gehirnerschütterung mit Krampfanfall. Und offenbar auch Erinnerungslücken. Denn als Zeuge beim Prozess am Landesgericht Feldkirch kann er sich nur noch daran entsinnen, dass ihm der Hauptangeklagte bei der Rangelei in einer Röthner Diskothek im Sommer 2018 mit der Faust zugesetzt habe.

Sieben von zehn in der Promilleskala

Anders der angeklagte 19-jährige Feldkircher selbst. Ihm ist auch nicht nur der Hauch von irgendeiner Schuld bewusst. „Ich kam nur aus der Toilette und sah, wie eine Gruppe beim Schlägern war.“ Einer sei auf dem anderen gelegen. „Dann hat mich plötzlich ein Typ verfolgt, gezogen und geschupft. Bis die Polizei kam.“ Richter Richard Gschwenter fragt ihn, ob er damals betrunken war. „Etwas“, sagt er. Doch der Richter fordert konkretere Antworten: „Nehmen wir eine Alkoholskala von eins bis zehn. Eins ist ein Damenschwips, zehn ist das Koma. Wo waren Sie?“ „Bei sieben, schätze ich“, kommt als Antwort.

„Versuchter Faustschlag“

Doch der 19-Jährige steht nicht allein vor Gericht. Da gibt es noch den Zweitangeklagten, einen 18-jährigen Burschen, und ebenfalls der Körperverletzung beschuldigt. Der verblüfft gleich zu Beginn der Befragung: „Ja, ich bin schuldig.“ Ein aufrichtiges Geständnis. Aber schließlich geht es dabei ja auch nur um einen versuchten Faustschlag. So bestätigt selbst sein damaliges Opfer und nunmehriger Zeuge vor Gericht eine sozusagen harmlose Variante: „Ja, von dem wurde ich eigentlich nur geschupft.“

Grundsätzlich aber zählt die betreffende Rauferei zum gerichtsbekannten Repertoire jener Schlägereien, bei der ein jeder Beteiligter eigentlich „nur schlichten“ wollte. Der Zweitangeklagte vermag wenigstens einen Hinweis zum möglichen Anlass der Auseinandersetzung zu geben: „Ich kam aus dem Klo. Da ging einer auf mich zu und fragte, ob ich eine Fotze wolle.“ „Ob Sie was wollen?“, fragt der Richter. Da unterbricht Rechtsanwalt Manuel Dietrich mit erklärenden Worten: „Er meinte damit eine Fotzn, also eine Watschn.“

Nur noch schwarz gesehen

Der Beschuldigte fährt fort: „Dann habe ich ihn geschupft, er hat mich geschupft, und anschließend sah ich nur noch schwarz.“ Für seine „Schupferei“ wird der Beschuldigte jedenfalls schuldig gesprochen und wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 80 Euro in 20 Tagessätzen verurteilt. Er nimmt das Urteil sofort an.

Verhandlung vertagt

Der Hautpangeklagte, der seinerseits damals „nur schlichten statt schlägern“ wollte, muss noch auf eine gerichtliche Entscheidung warten. Ein einziger, doch wichtiger Zeuge fehlt noch. Die Verhandlung wird dehalb auf vorläufig unbestimmte Zeit vertagt.

Er meinte damit eine Fotzn, also eine Watschn

Manuel Dietrich

Rechtsanwalt