Tödlicher Wanderunfall im Silbertal: Freispruch bestätigt

20.02.2019 • 14:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die beiden Bauhofmitarbeiter wurden auch in der Berufungsverhandlung von jeder Schuld freigesprochen.
Die beiden Bauhofmitarbeiter wurden auch in der Berufungsverhandlung von jeder Schuld freigesprochen.

Nach Tod von 14-jähriger Schweizerin ist Unschuld der Gemeindearbeiter endgültig festgestellt.

Christiane Eckert

Feldkirch 2016 unternimmt eine Schweizer Familie eine Wanderung im Silbertal, einem Seitental des Montafons. Die vier gehen auf einem Erlebniswanderweg, genießen die Natur, auch der Hund ist dabei. Auf einem schmalen Abschnitt, wo es auf der einen Seite 18 Meter in die Tiefe in ein Bachbett geht, ist ein Holzgeländer als Absturzsicherung montiert. Zwei sogenannte „Rundlinge“, also zwei Balken, sind waagrecht an mehreren Stehern montiert. Als eine andere Personengruppe, ebenfalls mit Hund, entgegenkommt, weichen die beiden Familien einander aus. Die 14-jährige Tochter wollte eventuell auch mit dem Handy noch ein Foto machen, als das Unglück passierte.

Sturz in die Tiefe

Das Mädchen drückte sich gegen das Holzgeländer, welches in der Folge nachgab und brach. Die Teenagerin stürzte 18 Meter in eine felsdurchsetzte Böschung und lag schwer verletzt in dem Bachbett. Reanimationsversuche schlugen fehl, die Jugendliche erlag ihren Verletzungen. Die Familie war betroffen und erwartete sich bereits in erster Instanz ein Urteil, das die Schuld der mutmaßlich Verantwortlichen feststellt. Im Jänner 2018 gab es ein Urteil, doch es war ein Freispruch. Am Mittwoch nahm der Berfungssenat des Landesgerichts die Sache nochmals unter die Lupe. Doch auch der dreiköpfige Berufungssenat kam zu dem Ergebnis: Freispruch für die zwei Bauhofmitarbeiter, die mit der Wartung des Weges betraut waren.

Ordentlich aufgearbeitet

„Das Erstgericht hat eine verantwortungsvolle Beweiswürdigung vorgenommen, daran besteht kein Zweifel“, begründet Richterin Angelika Prechtl-Marte die bestätigende Entscheidung des Senates. Die Nichtigkeits- und Schuldberufung der Staatsanwaltschaft, die den Freispruch bekämpft hatte, wurde für unbegründet befunden. Bereits in erster Instanz war festgestellt worden, dass die Bauhofmitarbeiter einen Belastungstest mit Körperkraft durchgeführt hatten und zu dem Ergebnis gelangt waren, dass die Abgrenzung eigentlich in Ordnung sein müsste. In der Berufungsverhandlung wurden auch nochmals die Feststellungen zweier Sachverständiger herangezogen, die eine unglückliche Verkettung verschiedener Umstände verantwortlich machten.

Heimtückische Pilze

Zum einen war der Abstand der Steher, also die „Spannweite“ mit vier Metern relativ groß. Zum anderen hatten sogenannte Substanzpilze den Balken von innen heraus morsch werden lassen. „Anders als bei Oberflächenpilzen ist es für Nichtexperten kaum sichtbar, in welchem Zustand das Holz ist. Selbst für Fachleute ist es nur auf Grund unserer Erfahrung klar, dass so ein Holz kaum mehr einer Belastung standhält“, erklärte damals einer der Experten. „Hierbei handelt es sich um Fachwissen, welches die Angeklagten nicht haben mussten“, so eine weitere Begründung des Berufungssenates. Die Frage der Haftung der Gemeinde als Verband wurde bereits vor einiger Zeit rechtskräftig beantwortet. Sie trifft ebenfalls keine Schuld. Somit können alle endgültig aufatmen, die Familie der Verstorbenen hätte sich laut Rechtsvertreter einen anderen Ausgang gewünscht.

Das Erstgericht hat eine verantwortungsvolle Beweiswürdigung vorgenommen

Angelika Prechtl-Marte, Richterin