Grüner Plan B an Stelle der S 18

Vorarlberg / 21.02.2019 • 17:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Grüne glauben nicht an Realisierung der geplanten Entlastungsstraße durchs Ried.

Lustenau Die unendliche Geschichte einer Entlastungslösung für das untere Rheintal erhält ein neues Kapitel. Weil die Grünen nicht daran glauben, dass die jetzt vorliegenden Varianten Z (durchs Ried) oder CP (Ostumfahrung Lustenau) jemals umgesetzt werden, bringen sie eine neue Variante ins Spiel. Sie nennen sie V-Variante. „V wie vernünftig“, übersetzt das Umweltlandesrat Johannes Rauch (59). Konkret sehen die Pläne der Grünen eine Verbindung für Schwerfahrzeuge von Höchst nach St. Margrethen sowie eine Unterflurtrasse zwischen der Österreichischen und der Schweizer Autobahn südlich von Diepoldsau vor. Zwischen den beiden Anschlussstellen soll ein Korridor mit Routenbindung für Lkw geschaffen werden. „Diese Entlastungslösung ist wirksam, lässt sich schneller realisieren und kostet nur ein Sechstel der geplanten Varianten durchs Ried“, streicht Rauch heraus.

„Risiko ist zu groß“

„Die S 18 ist ein hochriskantes und unsicheres Projekt. Es entlastet auch die Lustenauer Reichsstraße nicht in jenem Ausmaß, das die Entlastung auch spürbar machen würde“, meint Grünen Klubobmann Adi Gross. Verkehrssprecher Christoph Metzler (56) sieht zudem den Untergrund im Ried als großes Problem. „Der Boden ist zu weich. Das Risiko ist zu groß“, argumentiert der Rankweiler.

Zu den bautechnischen Problemen gesellt sich nach Meinung der Grünen auch der Kostenfaktor. „Die jetzt vorgesehen Lösung kostet eine Milliarde Euro. Das sind horrende Kosten“, warnt Rauch, und lässt sein Urteil folgen: „Auf die S 18 zu warten, ist ein Fehler.“

Nicht nur Entlastungsstraße

Rauch hält fest, dass die Grünen nicht gegen eine Entlastungsstraße sind. „Aber halt nicht da, wo sie jetzt geplant ist.“ Ein derartiges Projekt ist nach Meinung der Grünen ohnehin nicht die einzige Lösung für die Verkehrsprobleme im Rheintal mit seinen 280.000 Bewohnern. Rauch nennt weitere Maßnahmen, die dringend umgesetzt werden müssten: „Bevorzugte Busspuren, die Bahnschleife von Lustenau nach Lauterach, bessere Radschnellverbindungen, betriebliches Verkehrsmanagement, Parkraummanagement in den Gemeinden.“

Wir verstehen unsere Vorschläge als Plan B. Wir sollten nicht ohne Alternativen dastehen.

Johannes Rauch, Umweltlandesrat

Ganz neu sind die die Vorschläge der Grünen freilich nicht. Schon im „Mobil im Rheintal“-Schlussdokument findet sich eine sogenannte Pr-Variante mit zwei Straßenanbindungen an die Schweizer Autobahn südlich von Diepoldsau (bei Mäder) sowie bei Höchst. Dabei wurde der Anschluss im Süden als wenig verkehrswirksam qualifiziert und verworfen.

Unbeantwortet bliebe auch die Frage, ob die Schweizer für die angestrebte Korridorlösung mit Routenbindung zwischen Höchst und der südlichen Anschlussstelle einen massiven Mehrverkehr auf ihrer Autobahn akzeptieren würden. „Da müsste man verhandeln. Genauso wie über eine verstärkte Auffächerung auch auf Schweizer Grenzstellen“, meint dazu Klubobmann Groß.

Politisch brisant

Dass die zum jetzigen Zeitpunkt präsentierten Vorschläge der Grünen koalitionsintern einen gewissen Sprengstoff in sich bergen, sieht Rauch nicht so. „Wir verstehen unsere Vorschläge als Plan B. Es sollte nicht sein, dass wir ohne Alternativen dastehen, wenn die S 18 sich als nicht machbar herausstellt“, beschwichtigt der Landesrat.

Die aktuellen Pläne der Grünen für eine Verkehrsentlastung im Rheintal stoßen dennoch auf zum Teil scharfe Kritik. „Das ist absolut inakzeptabel“, poltert FPÖ-Verkehrssprecher Ernst Hagen (66). „Während die Vorbereitungen für eine Trassenentscheidung für das S 18-Nachfolgeprojekt kurz vor dem Abschluss stehen, verabschiedet sich die schwarz-grüne Landesregierung nun offenbar kurz vor einer Lösung vom eigenen Regierungsprogramm.“

ÖVP-Verkehrssprecher Daniel Steinhofer (40) bezeichnet die von den Grünen ins Spiel gebrachte V-Variante weder als etwas Neues noch als etwas Vernünftiges. Sie seien etwas „Verworrenes“, meint Steinhofer. Für „große Verwunderung“ sorgt der Grünen-Vorstoß auch bei der Vorarlberger Industriellenvereinigung. „Das widerspricht nicht nur dem vereinbarten Arbeitsprogramm der Landesregierung, sondern gefährdet wissentlich sämtliche jahrzehntelange intensive Vorarbeiten“, äußert sich IV-Präsident Martin Ohneberg (48).