Viele Zuwanderer gehen wieder aus Vorarlberg

Vorarlberg / 21.02.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Noch nie haben so viele Menschen das Land in Richtung Ausland verlassen.

Johannes Huber

Schwarzach Was in der Migrationsdebatte untergeht, ist dies: Es gibt nicht nur Zu-, sondern auch Abwanderung. Auch sie hat zugenommen, wie die Auswertung zeigt, die die Statistik Austria den VN übermittelt hat: Aus dem Ausland nach Vorarlberg gekommen sind 2017 insgesamt 6927 Männer, Frauen und Kinder. Im längerfristigen Vergleich waren das viele, aber deutlich weniger als am Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015; damals handelte es sich um 8642. Auf der anderen Seite wanderten 2017 immerhin 5323 ins Ausland ab. Das war ein Spitzenwert.

Fragt sich nur: Wer kommt, wer geht? Nach Staatsbürgerschaft lässt sich das sagen: Die größte Gruppe bilden Österreicher, knapp gefolgt von Deutschen. Wobei es einen Unterschied gibt: Österreicher wandern eher ab, Deutsche eher zu.

Der Migrationsexperte August Gächter weist darauf hin, dass es praktisch überall auf der Welt so sei, dass die Zahl der Staatsbürger eines Landes, die es verlassen, überwiege. Das liege in der Natur der Sache: Ein paar bleiben in der Ferne hängen, nicht alle kehren zurück. Von Vorarlberg ausgehend sind die Zahlen relativ konstant: Während um die 1000 bis 1100 österreichische Staatsbürger jährlich über die Staatsgrenze wieder in die Heimat kommen, suchen 1600 bis 1700 das Weite.

Deutsche haben sich in den 1990er Jahren zu einer starken Migrantengruppe entwickelt. 2017 gab es bei ihnen 1416 Zuzüge und 910 Wegzüge. Deutsche profitieren von der gemeinsamen Sprache und natürlich den Freizügigkeiten, die die Niederlassung im EU-Nachbarland Österreich erleichtern.

Diese Freizügigkeiten werden auch von Osteuropäern genützt, die in größerer Zahl nach Vorarlberg kommen: 2017 sind 639 Rumänen zu- und 308 abgewandert. Ungarn übersiedelten 536 ins Land, während 293 wieder gingen. Wobei das Wort „übersiedeln“ mit Vorsicht zu genießen ist. Nicht nur Saisoniers sind mobil. Gächter sagt: „Damit man über Migration eine Person dazugewinnt, braucht man normalerweise drei, die kommen. Viele gehen wieder, vor allem bei Männern ist das so.“

Einige Zuwanderergruppen muss man in der Statistik lange suchen: Syrer kamen 2017 nur noch um 137 mehr nach Vorarlberg als es verließen. 2015 waren es 961 gewesen. Bei Afghanen überwog die Abwanderung zuletzt sogar ein bisschen (mit 19 Personen). Wie viele wegzogen und wie viele dazu gezwungen wurden, ist der Statistik nicht zu entnehmen. Bei Bürgern aus dem ehemaligen Jugoslawien überwog dagegen die Zuwanderung; aus Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Kroatien war sie alles in allem um 226 Personen größer als die Abwanderung.

Bemerkenswert auch die Zahlen für türkische Staatsbürger: Bei ihnen ist die Zuwanderung bis 2007 zurückgegangen. Grund laut Gächter: Einschränkungen beim Familiennachzug. Seither sind die Werte konstant. 2017 ließen sich 249 Türken vom Ausland kommend in Vorarlberg nieder. Mehr, nämlich 267, gingen. Dazu könnte noch der eine oder andere kommen, der nach vielen Jahren im Land die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen hat und daher nicht mehr zu den Türken gezählt wird. So oder so wandern relativ viele ab. Eine Erklärung des Politologen Hüseyin Çiçek: „Die Türkei umwirbt ihre Auslandsbürger intensiv, zurückzukehren.“ Besonders nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Präsident Recep Tayyip Erdoğan, dem unzählige Verhaftungen folgten, brauche sie die Leute.