Johannes Huber

Kommentar

Johannes Huber

Feiertagsfrotzelei

22.02.2019 • 15:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Während Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) diese Woche als Gast von US-Präsident Donald Trump in Washington strahlen durfte, lief die Regierungsarbeit in Wien aus dem Ruder. Wo soll man anfangen? Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) empfing Mitschüler eines Neunjährigen, der von einem Lkw erfasst und getötet worden war. Die Kinder forderten die Einführung verpflichtender Abbiegeassistenten. Hofer bat sie, ihm für einen anschließenden Gipfel die Daumen zu drücken. Nach dem Gipfel führte er dann jedoch lang und breit aus, warum diese Maßnahme unmöglich sei. Das sagte sehr viel aus über ihn, dass er das den Kindern nicht gleich erklärt hat. Über so wenig Aufrichtigkeit kann man sich nur wundern.

Apropos wundern: Kanzleramtsminister Gernot Blümel (ÖVP) hatte eine schwierige Aufgabe zu lösen und ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Karfreitag umzusetzen. Immer und immer wieder beteuerte er dabei, niemandem etwas wegnehmen zu wollen. Was man nur so verstehen konnte: Evangelischen Menschen bleibt das ein Feiertag. Blümels österreichische Lösung schaut nun jedoch so aus: Es wird ihnen zumindest der halbe weggenommen.

„Ein solcher Feiertag ist ein Tag, der einer religiösen Feier gewidmet ist und an dem die Arbeit ruht. Doch das ist längst zu einem Minderheitenprogramm geworden.“

Zugegeben: Die Sache ist schwierig. Die evangelische Kirche zählt nur noch 292.597 Mitglieder. Und ein Mann, der ihr nicht angehört, hatte geklagt, dass er im Unterschied zu ihnen am Karfreitag nicht frei hat. Er hat rechtbekommen. Also hatte Blümel nur zwei Möglichkeiten: Ein Feiertag auch für die 97 Prozent der Gesamtbevölkerung, die mit der evangelischen Kirche nichts zu tun haben. Oder gar kein Feiertag mehr. Aber letzteres hatte er ja von vornherein ausgeschlossen.

Auf die nun fixierte Idee, einen Tag bis 13.59 Uhr einen Werktag und ab 14.00 einen Feiertag sein zu lassen, muss man erst einmal kommen. In Wahrheit ist das eine Frotzelei gegenüber evangelischen Menschen, die nur noch durch Hofers Vorstoß gesteigert wird, wie aus dem katholischen Marien-Feiertag am 8. Dezember einen außerordentlichen Einkaufstag zu machen. Damit bleibt nicht einmal ein halber, sondern gar kein Feiertag übrig. Was wohl bedeutet, dass die nächste Klage schon fix ist. Diesmal jedoch aus verständlichen Gründen.

Ein solcher Feiertag ist ein Tag, der einer religiösen Feier gewidmet ist und an dem die Arbeit ruht. Doch das ist längst zu einem Minderheitenprogramm geworden. Wer weiß heute schon, wozu etwa zu Fronleichnam ursprünglich freigegeben worden ist? Eben. Umso einfacher hätte es für Blümel sein können, eine Debatte darüber zu eröffnen, welcher Feiertag gegen den Karfreitag, der auch Katholiken sehr wichtig ist, eintauschbar wäre. Es hätte ja nicht gleich einer der beliebten Donnerstage sein müssen, die zu Kurzurlauben einladen. Möglich wäre zum Beispiel der Pfingstmontag gewesen, der nicht einmal durch das Konkordat geschützt ist. Doch dazu wäre halt Mut zur Debatte und vor allem auch zur Veränderung notwendig gewesen.

Johannes Huber betreibt die Seite dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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