Schneereicher Winter kommt Zecken gelegen

Vorarlberg / 22.02.2019 • 12:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
 Der gemeine Holzbock kann zum gefährlichen Biest werden.  Fotolia
Der gemeine Holzbock kann zum gefährlichen Biest werden. Fotolia

Schon jetzt muss auf die Blutsauger geachtet werden.

Dornbirn Der heurige Winter mit seiner opulenten weißen Pracht erfreute nicht nur die Skisportler. Allem, was kreucht und fleucht, kam er ebenfalls äußerst gelegen. Besonders Zecken und ihre bevorzugten Zwischenwirte, die Mäuse, konnten es sich im Schutz der dicken Schneedecke gutgehen lassen. „Dort finden diese Tiere ein opitmales Klima vor“, bestätigt Klaus Zimmermann von der inatura, dass nicht nur den Zecken, sondern auch den Mäusen damit eine gute Ausgangslage beschieden ist. „Mäuseplage heißt auch Zeckenplage“, ergänzt der Biologe. Die könnte nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn schon bei Temperaturen ab acht Grad werden die Blutsauger aktiv. „Noch schützt uns der Umstand, dass wir nicht mit kurzen Hosen und T-Shirt durch die Gegend laufen und die Vegetation noch nicht hoch ist“, sagt Zimmermann. In Deutschland gab es hingegen bereits Fälle von Zeckenbefall bei Hunden.

Vier Fälle in Vorarlberg

Zecken sind deshalb gefährlich, weil sie die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) sowie Borreliose übertragen können. Im vergangenen Jahr wurden österreichweit 154 FSME-Fälle gemeldet. Ein Jahr davon waren es 123. In Vorarlberg gab es vier FSME-Erkrankungen, wobei eine Infektion laut Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher importiert worden ist. Fast alle Betroffenen holten sich den fatalen Zeckenbiss im April. „Es ist also an der Zeit, sich impfen zu lassen oder die Impfung aufzufrischen“, rät der Mediziner. Grabher will die Steigerungsraten bei den FSME-Fällen nicht allein dem Klimawandel zuschreiben. „Bei schönem Wetter sind einfach auch mehr Leute draußen unterwegs“, meint Zimmermann.

Gefährliche Erreger

Klaus Zimmermann warnt ebenfalls: „Sobald die Zecken aktiv werden, wollen sie sich fortpflanzen und suchen sich Menschen als Wirte. Ab sofort muss man praktisch immer und überall darauf gefasst sein, mit Zecken konfrontiert zu werden.“ Nicht einmal ein Kälteeinbruch könnte sie stoppen. „Sie werden höchstens in ihrer Bewegung gebremst, mehr nicht“, erklärt Zimmermann. Der Stich dieser nur wenige Millimeter kleinen blutsaugenden Parasiten tut nicht weh und ist normalerweise unbedenklich, kann aber zur tödlichen Gefahr für Menschen werden, wenn die Zecke mit Krankheitserregern infiziert ist. Die Übertragung erfolgt über den Speichel der Zecke. An Erregern gibt es die Borreliose-Bakterien, die vielfältige Symptome im ganzen Körper hervorrufen. Gegen Borreliose selber gibt es keine Impfung, früh genug erkannt ist aber meist gut behandelbar. FSME-Viren hingegen werden sofort übertragen und verursachen Entzündungen an Hirnhäuten, im Gehirn sowie Rückenmark. Für diese schwerwiegende Erkrankung steht eine Impfung zur Verfügung. Bis Ende August ist der Impfstoff meist zu einem vergünstigten Preis erhältlich.

Vor der im vergangenen Jahr erstmals in Österreichs nachgewiesenen subtropischen Zeckenart Hyalomma marginatum, die lebensbedrohliche Erreger wie das Krim-Kong-Fieber-Virus übertragen kann, geht laut Zimmermann zumindest vorerst keine breite Gefahr aus. Sie könne allerdings auch hierzulande zum Problem werden. Bisher stand den mit Zugvögeln mitreisenden Larven und Nymphen das Klima im Weg. Nach dem überdurchschnittlich warmen Sommer gab es erste Funde in Deutschland und schließlich auch in Österreich.