Appell an Hausverstand nach Kuhdrama

Vorarlberg / 26.02.2019 • 19:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. Hund halten sie oft für Wölfe, und dann kann's gefährlich werden.
Mutterkühe verteidigen ihre Kälber. Hund halten sie oft für Wölfe, und dann kann’s gefährlich werden.

Älpler sind weiter höchst beunruhigt, Hundefreunde sehen sich zu Sündenböcken gemacht.

Schwarzach Der schreckliche Vorfall, bei dem im Sommer 2014 auf einer Alp im Tiroler Stubaital eine Frau von aufgebrachten Mutterkühen zu Tode getrampelt wurde, beschäftigt zunehmend auch Menschen in Vorarlberg. Der Landwirt jener Alpe, auf dem sich die Tragödie zutrug, wurde zu einer Zahlung von 490.000 Euro verurteilt. In der Urteilsbegründung betonte der Richter, dass sich der Vorfall auf einer öffentlichen Straße ereignet habe. Diese würde von Kindern, Radfahrern, Wanderern und auch Fahrzeugen frequentiert, in unmittelbarer Nähe befinde sich eine Gastwirtschaft mit 220 Sitzplätzen. Die dort weidende Herde sei schon vor dem tödlichen Zwischenfall in Aufregung versetzt worden. Als dann die Frau mit ihrem angeleinten Hund vorbei kam, hätten die Kühe attackiert, obwohl die Frau ihren Vierbeiner auf der der Herde abgewandte Seite führte.

Mangelnde Sozialisierung

Wie die VN berichteten, hatte auch Christoph Freuis (39), Geschäftsführer des Vorarlberger Alpwirtschaftsvereins, das Urteil scharf kritisiert. Er befürchtet wie andere Älpler auch, dass daraus ein Präzendenzfall wird und die Alpwirtschaft sich dadurch völlig verändern könnte.

Jetzt wehren sich auch die Hundefreunde. „Es gibt leider auch Weiderinder, die schlecht auf Menschen sozialisiert und überhaupt nicht an die Weide gewohnt sind“, reagiert Amtstierarzt Erik Schmid auf Freuis‘ Vorwurf, es hielten sich mittlerweile Hunde auf Alpen auf, die kein natürliches Verhalten mehr an den Tag legten.
Auch Alexander Sapletan (63), ein Hundebesitzer und ehemaliger Hundesportler aus Höchst, der den Fall genau beobachtet hat, wehrt sich gegen die Androhung, Hunde komplett von den Alpen zu verdammen. „Gut erzogene Hunde bedeuten keine Gefahr. Und wenn bei allen der Hausverstand regiert, dann braucht es nicht noch mehr Regeln und Verbote, sondern nur eine natürliche Rücksichtnahme.“

Würde bei allen der Hausverstand regieren, bräuchten wir nicht so viele Regeln und Verbote

Alexander Sapletan, Hundehalter

Älpler mit Warnwesten?

Den Vorwurf mangelnder Rücksichtnahme erheben freilich auch Älpler . Der Dornbirner Christian Kohler (47) bewirtschaftet im Sommer eine Alp am Spullersee und erlebt dort immer wieder unangenehme Vorfälle. „Bei uns ist schon ein Moutainbiker mitten durch eine Kuhherde gebraust, in ein Absperrband gefahren und gestürzt. Er hat uns geklagt, wir mussten 700 Euro Strafe zahlen.“ Immer wieder würde man durch Weiden öffentliche Wege und Straßen machen. „Und dann gilt die Straßenverkehrsordnung. Wir müssten dort streng genommen mit Warnwesten herumlaufen. Das ist doch unglaublich.“ Auch die die Hunde-an-die-Leine-Tafeln vor dem Alpgebäude würden von vielen Hundebesitzern ignoriert. „Vielleicht jeder zweite Wanderer mit Hund hält sich daran“, klagt Kohler.