Telefonseelsorge wieder stark frequentiert

26.02.2019 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Telefonseelsorge Vorarlberg
Telefonseelsorge Vorarlberg

Fast 15.000 Menschen nützten den heißten Draht zur Hilfe.

Dornbirn Fast 15.000 Menschen wählten im vergangenen Jahr die Nummer der Telefonseelsorge (142). Das waren um vier Prozent mehr als 2017. „45 Prozent der Anrufe erreichen uns am Abend oder nachts, also dann, wenn alle sozialen Dienste geschlossen haben und Freunde oder Familie nicht mehr so leicht erreichbar sind“, erläutert Sepp Gröfler die Gründe. Für manche werde diese Zeit bedrohlich. Die Einsamkeit bohre sich tief in die Seele, Sorgen würden in der Stille noch deutlicher gehört und in den Vordergrund drängen.

Einsamkeit als großes Thema

Zuhören, mitgehen und entlasten zieht sich als Leitfaden durch die Arbeit der Telefonseelsorge. „Die hohe Zahl an Anrufern spiegelt nicht das einzelne Schicksal wieder. Eine Sorge kann objektiv gering erscheinen, aber das subjektive Erleben hat für Betroffene oft ein unerträgliches Gewicht. Die Reflexion eines Themas kann Entlastung bringen“, weiß Sepp Gröfler. Vor allem Einsamkeit ist ein großes Thema, sie betrifft immerhin 20 Prozent der Anrufe. Besonders häufig betroffen sind laut Gröfler ältere Personen. „Rund 4000 Gespräche führen wir mit Menschen der Generation 60 plus“, wird er deutlich. Oft steht das Alleinsein im Zusammenhang mit Gesundheitsproblemen. Das mache Einsamkeit bedrohlich.

In akuten Krisen ist die Telefonseelsorge ebenfalls eine wichtige Anlaufstelle. 754 Anrufe wurden für diesen Bereich gezählt. In 57 Fällen waren Kinder betroffen. „Diese Anrufe sind für unsere 94 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine besondere Herausforderung“, erzählt Gröfler. Nicht mehr leben wollen, Gewalt, Missbrauch, Panikattacken und traumatische Erlebnisse werden in diesen Anrufen angesprochen. 37Mal rückten Sozialarbeiterinnen des Familienkrisendienstes aus, um schnell Hilfe zu leisten.

Zuversicht stärken

Die Möglichkeit, sich ihre Sorgen per E-Mail von der Seele zu schreiben, nützten 303 Ratsuchende. „Die Telefonseelsorge will und kann die Zuversicht dieser Anrufer stärken und sie ermuntern, ihr persönliches soziales Netz zu pflegen. Wir motivieren sie, das kreative Potenzial der Melancholie zu nützen und für sich Sorge zu tragen, wenn der ‚Blues‘ wieder einmal zu heftig wird“, erklärt Sepp Gröfler den Titel des Jahresberichts, der „Melancholie und Zuversicht“ lautet.