Bauern haben Angst vor frühreifer Natur

Vorarlberg / 27.02.2019 • 16:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Massive Frostschäden zerstörten vor zwei Jahren nahezu die gesamte Obsternte in Vorarlberg.
Massive Frostschäden zerstörten vor zwei Jahren nahezu die gesamte Obsternte in Vorarlberg.

Temperaturen um die 20 Grad zur jetzigen Zeit bereiten Obst- und Weinbau Sorgen.

Schwarzach Der 21. April 2017 war für die heimischen Obst- und Weinbauern ein Tag des Schreckens. Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt rafften binnen weniger kritischer Stunden praktisch die ganze Ernte hin. Die Angst vor einem plötzlich Frost just dann, wenn alles blüht, ist seitdem allgegenwärtig.

Heute knapp 20 Grad

Nicht ganz unberührt lässt Obst- und Weinbauern deshalb die „Hitzewelle“ im Februar, mit Temperaturen, die sich allmählich der 20 Grad-Marke nähern. Die Gefahr dabei: Die Vegetation könnte zu arbeiten beginnen, Knospen und Blüten sich zu früh ausbilden und ein Frost anschließend alles vernichten. Für heute sind erneut Temperaturen bis 19 Grad prognostiziert.

Jens Blum (53), der größte Obstbauer im Land ortet – noch – keine unmittelbare Gefahr. Zumindest nicht für seine Apfelbäume. „Klar sind die Temperaturen tags über hoch, zu hoch. Aber wenigstens gibt es noch in der Nacht Frost. Das bremst das Wachstum“, beurteilt Blum die derzeitige Situation. Während das Kernobst noch Winterschlaf hält, beobachtet der Höchster Landwirt bei seinen wenigen Steinobstbäumen Bewegung.

„Entscheidend für die Entwicklung wird der März“, sagt Blum. Gewünscht wäre ein moderater Anstieg der Temperaturen, damit sich die Frostgefahr mit fortschreitender Jahreszeit verringert. Immerhin ist Blum heuer mit einer Waffe ausgestattet, die er vor zwei Jahren noch nicht hatte: eine Frostberegnungsanlage. Diese kostete ihn 450.000 Euro

Leben mit der Natur

Beunruhigt durch die überdurchschnittlich warmen Tage ist auch der Dornbirner Beerenbauer Martin Winder (50). So wie jetzt sollte es nicht 14 Tage weiter gehen. Zwetschken, Nussbäume und das Kernobst nennt Winder als seine derzeitigen Sorgenkinder, die Erdbeeren seien außer Gefahr. „Ich beobachte täglich den Wetterbericht und nehme erfreut zur Kenntnis, dass es bald wieder kälter werden soll“, beschreibt Winder seine Gefühlslage. Verrückt machen lassen will er sich nicht. „Wir leben mit der Natur. Und die lässt sich eben nicht planen.“

Kein Wind mehr

„Mir treibt es schon die Runzeln auf die Stirn, wenn ich die Wetterentwicklung der letzten Zeit beobachte“, gibt Weinbauer Josef Möth (44) zu. Am Bodensee ortet der Winzer seit Tagen Frühling. „Salbei, Rosmarin, Flieder treiben. Meine Reben sind auch schon ungeduldig, und wenn die ins Knospen kommen wird es kritisch“, beurteilt Möth die Lage. Auch er hofft darauf, dass sich das Klima jetzt nicht rapide in Richtung Frühling entwickelt, „sodass dann ein Frost kommt und alles kaputt macht“.

Mir treibt das derzeit milde Wetter schon die Runzeln auf die Stirn.

Josef Möth, Weinbauer

Eine kleine Klimaänderung am See glaubt Möth bereits zu erkennen. „Es ist jetzt oft windstill. Das gab es früher nicht. Der Wind ist ein guter Ausgleich zu extremen Temperaturen. Froh ist Möth wie seine Kollegen aus der Obstbranche über die kalten Nächte.

Sollte der Frost seine blühenden Reben erneut so erwischen wie vor zwei Jahren, wäre er machtlos. „Im Gegensatz zu Blum habe ich keine Frostberegnungsanlage. Das käme mich viel zu teuer.“