Debatte um Kälbertransporte und -importe geht weiter

Vorarlberg / 27.02.2019 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
"Bestimmungsort für Kälber ist nicht gleich Schlachtort", betont Agrarlandesrat Christian Gantner in einer Anfragebeantwortung. Rauch/VOl
„Bestimmungsort für Kälber ist nicht gleich Schlachtort“, betont Agrarlandesrat Christian Gantner in einer Anfragebeantwortung. Rauch/VOl

5934 Kälber wurden 2018 aus Vorarlberg in andere Bundesländer und in EU-Mitgliedstaaten transportiert. 2697 Kälber wurden im selben Zeitraum nach Bozen verfrachtet.

Bregenz. Dies geht aus der Beantwortung einer Anfrage hervor, welche die SP-Abgeordnete Gabi Sprickler-Falschlunger an VP-Agrarlandesrat Christian Gantner gerichtet hatte. Gantner verweist darin auf die AMA-Rinderdatenbank, laut der 3135 Kälber in andere Bundesländer, 2799 Kälber in EU-Mitgliedstaaten und kein einziges Tier an Drittstaaten verfrachtet wurde. Im Hinblick auf jene 2697 Tiere, die nach Bozen transportiert wurden, will Gantner kolportierte Meldungen ins richtige Licht gerückt wissen: „Es war nie die Rede davon, dass die Tiere aus Vorarlberg am Bestimmungsort Bozen geschlachtet werden. Die Sammelstelle Bozen war für die Transporte aus dem Land stets der Bestimmungsort, weil die Beziehung zwischen dem Händler, deer aus in Vorarlberg die Kälber abholen und nach Bozen bringen lässt, und der ,Bozen Import GmbH.‘ besteht.“ Genau diese Rechtsmeinung habe auch das zuständige Sozialministerium bestätigt.

Transportreduktion vorantreiben

Für Bernhard Feuerstein als VP-Landwirtschaftssprecher im Landtag ist es nachvollziebar, dass von der Bozen Import GmbH. die Tiere dann zur Zucht beziehungweise zur Fleischproduktion an andere Betriebe weiter transportiert werden, und zwar überwiegend in die Lombardei, je nach Eignung des Kalbes ins Piemont sowie Trentino oder nach Venetien. „In diesem Zusammenhang liegt der Vorarlberger Veterinärbehörde eine Erklärung der Veterinärbehörde Südtirols vom Herbst 2018 vor, wonach alle Kälber aus Vorarlberg in Italien bleiben, großteils sogar in Oberitalien. Wünschenswert wäre freilich, diese Transporte in Zukunft stets weiter zu reduzieren. Eine Reduktion von Fleischimporten sowie faire Preise für die Vorarlberger Landwirte sit diese Zielsetzung durchaus realistisch.“

„Wir werden mit einer Anfrageserie zu unserem 5-Punkte-Plan endlich Tempo zum Stopp von diesen unnötigen Kälbertransporten einbringen.“

Daniel Zadra, Grüne

Grüne kritisieren auch Kälber-Importe

Sprickler-Falschlunger wollte darüber hinaus von Gantner in Erfahrung bringen, ob die Bezeichnung „Ländle Rind“ möglicherweise irreführend ist, weil offenbar nicht wenige Tiere nicht hierzulande geboren sind. Diese Bezeichnung ist nämlich Markenbezeichnung der Ländle Qualitätsprodukte Marketing. Laut Gantner darf diese Bezeichnung auch dann verwendet werden, wenn ein Rind nicht im Land zur Welt kam. Es müsse nur sechs Monate im Land gemästet worden sein. Im übrigen seien die Richtlinien fürs Ländle Rind völlig transparent. Die Grünen schlagen vor dem Hintergrund der Anfragebeantwortung einen Weg aus dem Tiertransport-Dilemma vor. „Wir wissen nun, dass tausende Kälber jährlich in alle Himmelsrichtungen abgeschoben und gleichzeitig hundert Kälber zur Mästung aus anderen Bundesländern ins Land importiert und dann als ,Ländle Rind‘ vermarktet werden“, spart Daniel Zadra als Landwirtschaftssprecher nicht mit Kritik und kündigt Schritte an: „Wir werden mit einer Anfrageserie zu unserem 5-Punkte-Plan endlich Tempo zum Stopp von diesen unnötigen Kälbertransporten einbringen. Wir Grüne schauen nicht weg.“