Hundeattacke: „Bounty war unbeteiligt“

05.03.2019 • 21:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Tierhalter Lorenzini am Vorfallsort im Garten, wo seine Eltern vom Rüden attackiert wurden.
Tierhalter Lorenzini am Vorfallsort im Garten, wo seine Eltern vom Rüden attackiert wurden.

Gerald Lorenzini wirft der Gemeinde Höchst Willkür vor. Seine Dogge sei ihm zu Unrecht abgenommen worden.

höchst Es geschah am Montag, dem 1. Oktober 2018, im Garten eines Höchster Einfamilienhauses. Lieselotte Lorenzini (77) wollte Abfall entsorgen. Auf dem Rasen tummelten sich gleichzeitig die beiden American Bulldog-Hunde ihres Sohnes Gerald (53), der Rüde Bullsanity’s Jack und das zweijährige Weibchen Bullsanity’s Bounty.

Plötzlich geschah das Unerwartete, ja Schockierende: Der Rüde griff die Pensionistin an und fügte ihr schwere Bissverletzungen am Kopf zu. Ihr Mann Alfred (80) kam seiner Frau zu Hilfe und wurde von Bullsanity’s Jack ebenfalls attackiert. „Er hat ihm das Ohrläppchen abgerupft“, erinnert sich Lieselotte Lorenzini im Gespräch mit den VN. Dennoch ist es ihrem Mann damals noch gelungen, die beiden Hunde anschließend in den Zwinger zu sperren.

Eingeschläfert

Alfred Lorenzini rief sofort seinen Sohn Gerald an dessen Arbeitsstelle an. Der 53-Jährige verlor keine Minute, eilte zum Elternhaus und verständigte die Rettung. Das Ehepaar musste ins Landeskrankenhaus Feldkirch eingeliefert werden. Bullsanity’s Jack wurde auf Veranlassung seines Besitzers von einem Tierarzt eingeschläfert. „Auch wenn es ein schwerer Entschluss war“, sagte Gerald Lorenzini zu den VN. Denn bis zu jenem tragischen Vorfall sei Bullsanity’s Jack niemals durch Aggressivität aufgefallen.

Was dann aber mit dem Weibchen Bounty geschah, ist nicht nur ihm, sondern auch seinen Eltern unbegreiflich. Auf Veranlassung des Bürgermeisters wurde die zweijährige Hündin ihrem Besitzer abgenommen und ins Tierheim verfrachtet. Wegen „Gefahr in Verzug“ und der Begründung, dass die Eltern des Tierhalters die Betreuung, Aufsicht und Verwahrung des Hundes nicht sicherstellen könnten. Für die Lorenzinis ein „blanker Unsinn“.

Entgegen dem polizeilichen Protokoll seien damals nicht beide Hunde auf das Ehepaar losgegangen. „Bounty verhielt sich völlig ruhig und war unbeteiligt“, sagt die Familie. „Sie ist eine so liebe und harmlose Hündin, wir möchten sie zurückhaben“, schwärmt etwa Lieselotte Lorenzini. Zudem wurde ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen ihren Sohn Gerald, da verantwortlicher Tierhalter, von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Rechtlicher Beistand

Der Höchster ficht die Entscheidung der Gemeinde mit Hilfe von Rechtsanwalt Florin Reiterer von der Bregenzer Kanzlei Ulmer an. Die Sozialverträglichkeit und der Gehorsam von Bounty könne belegt werden, unter anderem auch durch das Tierheim, in dem die Dogge verwahrt wird.

Die Pflegekosten dafür in Höhe von bisher 1665 Euro müssen übrigens von Lorenzini bezahlt werden. Der Höchster kämpft weiter, denn die Annahme, Bounty sei am Vorfall beteiligt gewesen, gründe sich auf eine unvollständige Erhebung, sei eine reine Willkür der Behörde und rechtswidrig.

„Sie ist eine so liebe und harmlose Hündin, wir möchten sie zurückhaben.“

Gerald Lorenzini und seine Mutter Lieselotte (77) zeigen das Bild der beiden Doggen, von denen die rechte die Pensionistin angriff. Aber: „Das Weibchen links ist harmlos.“ VN/GS
Gerald Lorenzini und seine Mutter Lieselotte (77) zeigen das Bild der beiden Doggen, von denen die rechte die Pensionistin angriff. Aber: „Das Weibchen links ist harmlos.“ VN/GS
Seine Dogge Bounty soll Lorenzini nicht mehr bekommen, stattdessen flattern ihm die Kosten für ihre Pflege ins Haus.
Seine Dogge Bounty soll Lorenzini nicht mehr bekommen, stattdessen flattern ihm die Kosten für ihre Pflege ins Haus.