Brutalen Schläger in Schutz genommen

06.03.2019 • 18:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Angeklagte tat seinem Kumpel einen Gefallen, nicht aber sich selbst.eckert
Der Angeklagte tat seinem Kumpel einen Gefallen, nicht aber sich selbst.eckert

18-Jähriger wegen versuchter Begünstigung eines Freundes zu Geldstrafe verurteilt.

Feldkirch Zwei Mal stand der heute 18-Jährige bereits vor Gericht, doch er kam bislang mit Diversionen ohne Vorstrafe davon. Nun gab es die erste Eintragung in der Strafkarte. Wegen versuchter Begünstigung wurde der junge Mann zu 640 Euro unbedingter Geldstrafe verurteilt. Der Grund: Er nahm einen vorbestraften Kumpel in Schutz und gab sich selbst als Schläger aus. Im Prozess am Landesgericht Feldkirch zeigt sich der junge Mann geständig, aber nicht besonders kooperativ. Wenn er nicht antworten will, sagt er nur: „Nächste Frage“. Ein Verhalten, das der Vorsitzende nicht begrüßt, aber zur Kenntnis nimmt.

Faustschläge zu Heiligabend

Für den „Geschützten“, also jenen jungen Mann, der die Faustschläge wirklich austeilte, scheint der Prozess lediglich Unterhaltungswert zu haben. Der 17-jährige Maler fuhr am 24. Dezember um acht Uhr abends mit dem Landbus von Lustenau nach Bregenz. Weil er sein Busticket nicht bezahlen wollte, gab es eine Diskussion mit dem Busfahrer, die allerdings seitens des Jugendlichen brutal beendet wurde. Der junge Mann schlug den Fahrer mehrfach mit den Fäusten und türmte dann. Ein aufmerksamer Fahrgast kannte den Namen des Schlägers, so fasste man den Jugendlichen. Im Saal erkennt das Opfer den Jungen auf Anhieb wieder: „Der, der hinter mir so lacht, das ist derjenige, der mich damals geschlagen hat“, sagt der Zeuge.

„Alte“ Bekannte

Als der Schläger im Zeugenstand vernommen wird, sagt er nicht viel dazu, das ist sein Recht, er muss sich selbst nicht belasten. Grinsend sitzt er da und weiß aufgrund seiner Gerichtserfahrung um seine Rechte. „Was ist so lustig? Allein im letzten Jahr haben wir uns drei Mal vor Gericht gesehen“, ist Richter Richard Gschwenter nicht zum Lachen zumute. Das Traurige ist, dass der junge Mann, der bereits wegen Raubes eine ordentliche Strafe ausfasste, nun nicht mehr zusätzlich für den Angriff auf den Busfahrer zur Rechenschaft gezogen werden kann.

Das diesbezügliche Verfahren musste aus rechtlichen Gründen eingestellt werden, was alle, außer dem Schläger selbst, ziemlich frustriert.

Für den 18-jährigen Unbescholtenen, der seinen guten Freund vor weiteren Vorstrafen schützen wollte, haben die falschen Angaben jedoch Konsequenzen. Er ist wegen versuchter Begünstigung vorbestraft und muss 640 Euro bezahlen. Eine dritte Diversion bekommt er jedenfalls nicht mehr. „Ich hoffe, das ist nicht der Beginn einer kriminellen Karriere, sonst landen Sie bald drüben in der Justizanstalt“, gibt ihm der Vorsitzende mit auf den Weg. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. EC