Dem Gegner mit Messergriff aufs Auge geschlagen: Afghanen in Feldkirch vor Gericht

Vorarlberg / 06.03.2019 • 09:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der 21-jährige Erstangeklagte befindet sich seit dem angeblichen Vorfall in U-Haft. Eckert

21-Jähriger soll bei Rauferei in der Montfortstadt ordentlich zugelangt haben.

Christiane Eckert

Feldkirch „Wir waren in Dornbirn, dann wurden wir angerufen. Zuerst waren die Türken ganz nett, beim zweiten Anruf haben sie uns dann aber beleidigt und gefragt, ob wir eine Schlägerei oder nur reden wollen“, behauptet der 19-jährige Afghane, der sich seit drei Jahren in Vorarlberg befindet und hier zur Schule geht, als Zweitangeklagter am Landesgericht Feldkirch. Er sei dann mit seinem Kumpel nach Feldkirch gefahren und ins Stadtzentrum gegangen. Sein 21-jähriger Freund und Erstangeklagte gibt sich einmal geständig, dann wieder nicht, dann heißt es Notwehr und dann sagt er wieder, er sei so betrunken gewesen, dass er vieles nicht mehr wisse. Der Vorfall ereignete sich im Ende Jänner dieses Jahres.

Auge verletzt

Weniger Probleme mit der Erinnerung hat das 32-jährige Opfer. Der Mann gehörte damals zur gegnerischen Gruppe, angeblich eine Überzahl von Türken. Der Arbeiter erzählt als Zeuge, dass er in der Stadt war und eine ganze Menge junger Leute sah, die er als „die seinen“ ausmachte. „Was ist da los?“, habe er gefragt. Da sei der 21-jährige Afghane, der zurzeit in U-Haft sitzt, auf ihn zugekommen. Er habe ihn erst mit der Faust attackiert und dann versucht, mit einem großen Messer zu stechen Schlussendlich habe er ihm mit dem Griff des Messers aufs Auge geschlagen. „Ich war fast eine Woche im Spital und hatte dann noch zwei bis drei Wochen Schmerzen“, erzählt der Mann. Seine Vertreterin, die Anwältin Emelle Eglenceoglu, beantragt ein Teilschmerzengeld von 1000 Euro. Der Angeklagte will das aber nicht bezahlen, weil er angeblich überhaupt nicht geschlagen habe. Es geht noch um weitere Drohungen und Schläge, aber von all dem distanzieren sich die beiden Beschuldigten deutlich.

Überzeugtes Opfer

Das Opfer, das am Auge verletzt wurde, ist sich sicher, dass der Erstangeklagte ihn damals angegriffen hat. „Ist diejenige Person im Saal?“, fragt Richter Richard Gschwenter. „Ja, der da, hundertprozentig“, bestätigt der Zeuge und zeigt auf den Erstangeklagten. Offenbar ging es damals hoch her bei der Schlägerei. Angeblich wenige Afghanen und angeblich eine übergroße Anzahl von Türken. „Sechs Leute haben einen geschlagen“, behauptet der jüngere Angeklagte. Die Beschuldigten wollen alle Zeugen hören. „Von mir aus, ich zieh‘ das durch und hole alle her. Das sind 16 Personen, teilweise unbekannten Aufenthaltes, das das kann ein halbes Jahr dauern“, so der Richter. Das bedeutet: der ältere Afghane bleibt so lange in U-Haft.